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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
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Die Eiszeit oder das Diluvium.

gemacht, nicht alle mit demselben Erfolg. Einige Tiere schmiegensich in der Gefangenschaft den neuen Verhältnissen an, befreundensich gewissermassen mit ihrem Herrn, andere nicht. Der Menschseinerseits sieht ein, dass ihm die neuen Hausgenossen mancherleiNutzen gewähren, dass sie ihm besonders auch für den Eall derNot mit ihrem Fleisch, ihrem Pelz, ihrem Geweih u. s. w. dienenkönnen. Was er anfangs nur zum Vergnügen that, thut er jetztm it Absicht. Wenn er die Tiere zuerst ohne genaue Wahl ansich heranzog, wählt er sich jetzt die tauglichsten Arten aus, nichtum sie nur zeitweilig, sondern bleibend bei sich zu haben. DiePflege dieser Haustiere wird mehr und mehr Hauptbeschäftigung;die Jagd tritt allmählich zurück. Bietet eine Gegend nicht mehrgenug Futter für das Vieh, so sucht man ein neues Weideland. Sowird der Viehzüchter zum Nomaden.

t Sobald der Mensch einsehen gelernt, welchen grossen Nutzenihm die Haustiere gewähren, wird er suchen, dieselben möglichstzu mehren und für die besten Weideplätze zu sorgen. Das aberhat oft Streit mit andern, Raub und Diebstahl zur Polge. Derh-igentumsbegriff hat jetzt einen sehr reellen Gehalt bekommen, deriui Notfall mit Gewalt gegen jedermann geltend gemacht wird.Hies alles führt zu militärischer Organisation, die, verbunden mitder Beweglichkeit des Nomaden überhaupt, oft einen durchausa gressiven Charakter annimmt. Die grossen Eroberer der Urzeitwaren Nomadenstämme.

Bei den viehzüchtenden Nomaden hat das Weib eine tiefe, eineunwürdige Stellung. Sie wird zur Sklavin des Mannes, der alleinigerHerr des Eigentums ist, da er ja allein für den Lebensbedarf sorgt.Anders bei den Ackerbauern.

Auf der primitivsten Kulturstufe, wie sie z. B. die Australier^präsentieren, bildet neben der Jagd, die von den Männern aus-geübt wird, das Pflanzensammeln die zweite Art des Nahrungserwerbesund dieses liegt den Frauen ob. Ihr Sammeln ist ein Ernten ohnevorheriges Säen und ein sofortiges Geniessen. Erst im Laufe derZeit erfand man die Kunst, die Speisen zu kochen, und es wurdenVorräte angelegt. Ursprünglich sammelte man alles mögliche Ess-bare, aber nach und nach unterschied man Wichtiges und Unwich-tiges. Die wichtigsten Nährpflanzen wurden nun geschont. NebenNährpflanzen aber gab es andere, die auch Nutzen brachten, wennschon keine essbaren Früchte, Knollen u. s. w. von ihnen zu erhaltenwaren. Vielleicht benutzte man ihre Säfte als Heilmittel oder ihrezähen Fasern zum Flechten und Spinnen. Endlich dürfen wir dieZierpflanzen nicht vergessen. Der Mensch in pflanzenreicher Gegend