y6 Erstes Kapitel.
hat gewiss auch einige Gewächse zu blossem Vergnügen gehegtund gepflegt. Wie der Mann Tiere, so nahm das Weib Pflanzengewissermassen als liebe Freunde in Schutz und Pflege. Nähr-,Nutz- und Zierpflanzen mögen sogar an geeignete Orte versetztworden sein. Die ersteren lieferten regelmässig ihre Körner, Beeren,Nüsse, Knollen u. s. w., während die letzteren durch Farbenprachtdas Auge erfreuten. So entstand eine Art Gartenbau, aus dem sichim Laufe der Zeit der eigentliche Ackerbau entwickelte.
Schon auf der untersten Kulturstufe ist das PflanzensammelnSache der Frau. Entstand aus diesem Sammeln in einer Gegend,die nicht reich an Wild war, der Ackerbau, so musste das weib-liche Geschlecht der Mittelpunkt der Gesellschaft werden, undwie bei den Nomaden sich das Patriarchat entwickelte, so warhier Gelegenheit für das Weib, eine Vorrechtsstellung zu erlangen.Die extreme Form des Matriarchats, die, in Analogie der Verhält-nisse bei den Nomaden, mit der gänzlichen Erniedrigung des Mannesgeendet hätte, findet sich zwar weder in alter noch in neuer Zeit,weil, wie Grosse richtig bemerkt, der Mann das Übergewicht, daser als Ernährer verloren hatte, als Beschützer wieder gewann.
Aus derselben Wurzel, wie das Nomadentum und der reineFeldbau, nämlich aus der Stufe der Jäger und Vegetabiliensammler,lässt sich auch die Kultur herleiten, welche Viehzucht und Acker-bau gleichmässig betreibt. Man hat früher schon darauf hingewiesenund zwar mit vollem Recht, dass sich der Ackerbau besonders infruchtbaren Niederungen ausgebildet haben werde, wie z. B. amNil, am Euphrat und am Ganges , während die Nomaden in denweidereichen Steppengebieten und Hochländern zu finden gewesenseien und bekanntlich heute noch sind. Während das Nomadentum zukriegerischer Organisation drängte, war der sesshafte Ackerbauerfriedlich gesinnt. Ein Krieg konnte, auch im besten Fall, nurSchaden bringen. Die reichen Vorräte der ackerbautreibendenVölker mussten den kriegerisch gesinnten Nomaden anlocken. DieGefahr war für ihn nicht gross und seine zentralisierte Organisationverhalf ihm zum Sieg. „Aus einer solchen gewaltsamen Vereinigungvon ackerbauenden und viehzüchtenden Gruppen sind nachweislichalle grossen Kulturstaaten hervorgegangen“, sagt Hoernes in seineminteressanten Buche: Die Anfänge der Kunst. Nowacki ist nichtderselben Meinung, sondern hält dafür, dass die Hamiten, dieSemiten und die Indogermanen nach Überwindung des JägerlebensAckerbau und Viehzucht in gleicher Weise betrieben hätten.
An und für sich lässt sich die Möglichkeit nicht wegleugnen,dass die gewaltsame Vereinigung von Nomaden und Ackerbauern