Die Tracht. Männliche Kleidung. 12. Jahrh.
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Was demnach zuvörderst die Bekleidung gegen Ende des zwölftenJahrhunderts und zwar die der Männer anbetrifft, so bildete diese, ab-gesehen von einer enganliegenden Hose, die indessen auch schon bei denRömern im fünften Jahrhundert gebräuchlich war, vornämlich ein tunika-ähnliches Hemd, ein der altrömischen Tunika völlig entsprechendes längeresoder kürzeres Obergewand mit engen, bald kürzeren, bald längerenErmeln, und ein entweder dem kürzeren oder längeren altrömischen Mantel,dem ,, sagum“ oder „ paludamentum durchaus ähnlicher Sehulterumhang(Fig.l). Von diesen Gewändern war das Hemd, nicht minder nach
Fig. I.
altrömischem Brauch, gewöhnlich von Linnen, vorn geschlossen, und mitnur kurzen Halbermein versehen, das Obergewand, der „Hoc' 1 dagegen,je nach Vermögen des Einzelnen, von Wollenstoff oder durehwirkterSeide, und der Mantel gemeiniglich ebenfalls von Wollenstoff, jedoch,und so auch das Oberkleid, bei hochgestellten Personen vorwiegend, wieinsbesondere beim reichen Adel, durch kostbare Randbesätze gesehmückt.Auch pflegte man wohl das Oberkleid, ähnlich wie schon im zehntenJahrhundert die enganliegenden Beinlinge, zur Hälfte verschiedenartig zuzieren, und die auch sonst schon seit jeher üblichen Schuhe oderHalbstiefelchen nach Vorgang einer nur flüchtigen Mode, welche um1089 Graf Fulko von Anjou erdacht haben soll, schnabelartig zu ver-längern (Fig. 2 c). — Lässt man diese zuletzterwähnten Besonderheiten