Die Tracht. Weibliche Kleidung. 12. Jahrh.
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die Niederlande auszeichneten, und vor allem der Linnengewebe zunehmendallgemeinere Verbreitung. — Daneben ging der frühere Brauch die Klei-dung der Länge nach durch verschiedene Färbung u. s. w. zu theilen ausdem Bereich des höheren Adels auch auf den reichen Bürgerstand über, derdann diese gewöhnlich heraldisch bestimmte Weise der Ausstattung, nunohne Rücksicht auf Wappenfarben, auf’s Willkürlichste ausbildete. —Der Schmuck als solcher, dessen man im Uebrigen keineswegs entsagte,ihn vielmehr jetzt, als unabhängiger von der eigentlichen Bekleidung, nurum so selbständiger behandelte, wurde allmälig wesentlich auf den Ge-brauch von Fingerringen, metallenen Kopfreifen oder „Schapeln mitEdelsteinen verzierten Gürteln, Halsketten und insbesondere auf--reichgestaltete Mantelspangen („Fürspangen, Tassein“) ausgedehnt. Auf dieimmer kostbarere Beschaffung hauptsächlich dieser letzteren wirkte dannauch noch vorzugsweise jene Umwandlung des Schulterumhangs zu demRückenmantel zurück (S. 10).
Namentlich bis zu dieser Zeit, der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts,blieb man auch dem uralten Gebrauch unbedeckten Haupts zu gehen imAllgemeinen ziemlich' getreu. Von da an indessen wurde .es vorwiegendunter den höheren Ständen gewissermassen An'standsgesetz selbst auchim alltäglichen Verkehr eine Kopfbedeckung zu tragen. In Folgedessen kamen alsbald zu den schon früher gelegentlich angewandten Rund-kappen mancherlei mehr oder minder reich ausgestattete „Bundhauben“,runde mit Pelz verbrämte Mützen von mannigfacher Ausstattung durch faltigeZeugwülste u. s. w. und verschiedene Spitzhüte von weichem oder -gesteif-terem Stoff, zum Theil mit umgeschlagenem Rand auf, unter ■welchen zu-letzterwähnten, nach dem Vorgang englischer Sitte, gänzlich mit Pfauen-federn bedeckte sogenannte „Pfavenhüte“ vor allen anderen geschätzt wurden.
In Weiterem bedienten sich, doch vorherrschend nur jüngere Män-ner, der schon erwähnten metallenen Kopfreifen oder diesen ähnlich ver-zierter, mit Steinen besetzter, oder aber künstlich gestickter Stirnbänder{„Schapel“ oder „Sehappelin“)-, nächstdem, die Männer überhaupt, kleineroft zierlich geschmückter Taschen (vermittelst Schnüren am Gürtel be-festigt) und, jedoch vorerst noch hauptsächlich nur auf der Reise und derJagd, gemeinhin starkledemer (Stulp-) Handschuhe.
Ganz ähnlich wie mit der männlichen Kleidung verhielt es sich mitder weiblichen, nur ausgenommen, dass diese von ihrer ebenfalls alt-römischen Grundform, wenn immerhin auch nur in Einzelheiten, verhält-nissmässig schon früher abwich. Dies, was wohl wesentlich seine Er-klärung in dem dem weiblichen Geschlechte eingebornen lebendigerenSinn für einen derartigen auf das Aeussere gerichteten Wechsel' findendürfte, betraf, zuvörderst gegen den Schluss des zwölften Jahrhunderts,die Verengerung namentlich des Obergewandes und die Gestaltung der