Die Tracht. "Waffen und Bewaffnung. 12. Jahrh.
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Leder zu einzelnen Reihen getrennt wurden, was der freien Beweglich-keit noch manches zu wünschen übrig Hess. Die daneben gegen denSchluss des zwölften Jahrhunderts höchst wahrscheinlich zuvörderst denOrientalen entlehnten künstlicheren Ringpanzer hingegen bestanden aussehr vielen kleinen Ringen, die so miteinander verbunden waren, dassjeder Ring, der übcrdiess eigens fest vernietet wurde, vier andere Ringein sich aufnahm (Fig. 12 b ), mithin das Ganze im Grunde genommenein Kettenflechtwerk bildete, welches, wie ein gleichzeitiger Dichter
Fig. 12.
Lygal
sehr bezeichnend darüber bemerkt „ein Mann mit Leichtigkeit tragenkann und sich darin rühren mochte, wie in einem leinenen Gewände“. —Bei den bedeutenden Vorzügen dieser Art von Ringgeflecht vor den ge-nähten Ringharnischen blieb es denn allerdings auch nicht aus, dassfortan nur sie, wenn auch zunächst ihrer noch grossen Kostbarkeit wegen,nur bei den vornehmsten und reichsten Kriegern, sodann aber auch, beizunehmender Verminderung ihres Herstellungspreises, selbst bei den wenigerBegüterten, rasch allgemeinere Verbreitung fanden. Was dies noch be-besonders begünstigte, war der Umstand, dass diese Art der Ineinander-fügung von Ringen zugleich die Verfertigung von vollständigen Ringel-hosen, Ringelhandschuhen und Ringelkapuzen erleichterte, welches vordeminsgesammt, dem älteren Ringelrock entsprechend, nur ungelenk herge-stellt werden konnte.
Fast gleichzeitig mit der. Aufnahme des „geflochtenen“ Ringharnischesdarunter man nun selbständige entweder lederne oder gesteppte Unter-gewänder zu tragen pflegte, erfuhr auch die bis dahin meist offene Helm-kappe eine Veränderung, indem man sie zu einer Art von festem' Visirgestaltete, das, mit Augenschlitzen versehen, bis auf die Schultern herab-reichte. Auch ward es fortan zunehmend Gebrauch den Helm mit einem(Helm-) Schmuck zu krönen und mit einem gewöhnlich von Seide („Cin-
WeisSj Kostümkunde. III. ~