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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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Einleitung. Kostümgestaltung im 12. und 13. Jahrhundert.

die eines zuckerhutförmigen hohen Huts gewonnen worden (vergl.Fig. 19). Sonst aber erstreckten sich auch hierbei alle noch weite-ren Veränderungen vorwiegend nur auf die Ausstattung, mit der manhier nun insbesondere sinnbildliche Bedeutung verband. Dahin gehört rganz abgesehen von anderweitigem reichen Schmuck und dem auchdiesertiara eigenen Stirnreifen und senkrechten Mittelstreifen, dass,wie es heisst, Bonifacius VIII . (1294 erwählt) den Stirnreifen zu einerKrone umschuf und darüber, in einiger Entfernung, noch einen Kronen-reifen anbrachte, mithin das Ganze gewissermassen zu einer Doppelkroneerhob. Noch später soll dann zu dieser Krone entweder Benedict XII. (13341342) oder aber erst Urban V. (1362 erwählt) einen dritten Reifenhinzugefügt haben, diese nun dreifache Krone jedoch überhaupt erstvon Urban VI. (um 1378) wirklich getragen worden sein.

13. DerHirtenstab (baculus episcopalis, pastoralis u. a.). EinStab von vier bis fünf Fuss Höhe, am oberen Ende nach Innen gebogenund ziemlich tief unterhalb dieser Krümmung, gleichsam als Vermittelungderselben mit dem eigentlichen Schaft, mit einem meist runden Knaufversehen. Der Schaft ward durchgängig entweder von Holz, und danngelegentlich auch durch metallene Beschläge u. dergl. bereichert, odergänzlich von Elfenbein, der Knopf durchgehends von Metall, die Krüm-mung dagegen fast ohne Ausnahme durchaus von Elfenbein hergestelltund auch vorzugsweise nur diese seit Alters als Schau- und Schmuckstückbetrachtet. Anfänglich vorwiegend nur darauf bedacht, diesen Thcil zueinfachen christlichen Sinnbildern auszuschnitzen, demnach man ihm zu-nächst die Gestalt eines schlangenähnlichen Ungethüms gab, dann aberauch innerhalb dessen Biegung ein Lamm und Aehnliehes anbrachte(Fig. 22 a. b. c), schritt man spätestens seit dem Schluss des zwölftenJahrhunderts allmälig dazu, statt solcher Sinnbilder, ganze Scenen der hei-ligen Geschichte, wie namentlich die Kreuzigung, die Krönung Marias u.s. w.darzustellen (Fig. 22 d). Zugleich in Verein mit derartigem Schmuck,der überdies in steigendem Grade an künstlerischer Bedeutung gewann,begann man dann auch den unteren Thcil der Krümmung selber undauch den Knopf demgemäss künstlerisch zu gestalten und zwar nun, gleich-sam als den Träger des eigentlichen Bilderschmucks, hauptsächlich in dender Zeit eigenthiimlichen baulichen Formen zu behandeln.

Zu diesen sämmtlichen Paramenten waren inzwischen noch mehrereOrnatstücke in Gebrauch gekommen, doch lediglich in der Eigenschaftvon Ehrenabzeichen für den Papst und diejenigen Bischöfe und Erz-bischöfe, welche der Papst damit beehrte, die somit auch ohne Ausnahmeüber dem bisher erwähnten vollständigen Ornat getragen wurden. Eswaren dies

14. Ein Band (pallium archiepiscopale). Dasselbe bildete eine die