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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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Die Tracht. Ornat der Geistlichkeit.

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schliesslich als besondere Rangbezeichnung erst durch Innocenz IV. aufdem Concilium zu Lyon um 1245 zu dauerndem Gebrauche eingeführt.Gleich damals scheint er seine noch heut übliche Form einer ziemlichgesteiften breitkrempigen Rundkappe erhalten zu haben, jedoch nochgeraume Zeit hindurch, wohl selbst bis zum Ausgang des Mittelalters,mit nur einem einfachen Kinnbande, und dann erst mit den ihm nochjetzt eigenen mehrfach bequasteten Seitenschnüren ausgestattet wordenzu sein.

Ob auch die noch ferneren Abzeichen des eigentlichen Kardinaliats, derrothe Leibrock und das rothe Barett, ebenfalls schon um jene Zeit zufeststehender Geltung gelangten, muss im Grunde zweifelhaft bleiben,da deren Einführung einerseits auf Bonifacius VIII . (um 1294), andrer-seits erst auf Paul II. (um 1464) zurückgeführt wird.

Alles, dessen man sich auch noch sonst zu amtlicher Ausstattungbediente, so eine Schutzbedeckung des Kopfes, der Schultern und Arme(im Winter) von Pelzwerk, das sogenannte almutium, eine oft reichgestickte Tasche (bursa), Fächer, Kamm u. dgl., ward gleichfalls niemalseiner bestimmten liturgischen Regel unterworfen und zählte somit eben-falls nur zu den willkürlichen Paramenten, was indessen auch hier nichtausschloss, dass man auch dies dem Ganzen gemäss möglichst kostbarbehandelte.

Abgesehen von der Kardinalstracht und dem geringen Unterschiede,dass sich der Papst, als erster Bischof, hauptsächlich nur durch seineTiara und der Erzbischof von dem Bischof durch das Pallium kennzeich-nete, stand diesen drei höchsten Würdenträgern der Gebrauch sämmtlicherOrnatstücke zu. Für die übrigen Würden indess hatte man die dafürseit Alters übliche einfache Ausstattung stets ohne Veränderung beibe-halten. Diese bestand für den Priesterstand oder das Presbyteriatüberhaupt aus der Albe, dem Cingulum, dem Amictus und dem Ma-nipel, der Stole und der Casula , sodann für das Diaconat insbesondereaus Stole, Dalmatika und Tunicclla, für das Subdiaconat aber ausTunicella und Manipel, und endlich für die niederem Grade dieAkoluthen, Exorcisten, Lectoren, Ostiarien u. s. w. einestheils aus derlangen, weissen Tunika alba oder talaris, anderntheils, so namentlich fürdie Ministranten und Sänger, aus dem Chorrock und dem Mantel.Gegenüber der grossen Pracht, zu welcher sich der Amtsprnat derhöchsten Priester entfaltet hatte, und welche noch dadurch gesteigertward, dass, wie es heisst, Innocenz III., um den Beginn des dreizehntenJahrhunderts, dafür je nach den Festfeiern bestimmte, verschiedene ^Grund-farben verordnete, sollte die Geistlichkeit ausseramtlich um so ein-facher gekleidet erscheinen. Demnach war sie, mit beständigem Beibehaltder althergebrachten Schur des Hauptes, dertonsur, etwa seit Mco-