Das Geräth. Hausgeräthe (Gefässe, Tafelgeschirr).
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verbundene ordnungsmässige Vertheilung der Arbeit von tiefstgrei-fender Bedeutung. Nicht eher, bevor dies zu einheitlichem, dauerndemAbschluss gediehen war, erst während des dreizehnten Jahrhunderts,wurde auch innerhalb dieser Gebiete das bis dahin nur schwanke Bestre-ben sich im Geist und Geschmacke der Zeit zugleich künstlerisch zubewegen, gleichsam allgemeines Gesetz. Dazu kam, dies noch begünsti-gend, dass die bis dahin noch allen Ständen eigene Bedürfnisslosigkeitin der geräthschaftlichen Ausstattung vorzüglich der Wohnräume nun-mehr, wenn auch erst nur bei den Vornehmeren, weiteren AnsprüchenPlatz machte, und dass man in Folge dessen begann auch schon Werthdarauf zu legen, dass Alles, womit man sich umgab, nicht nur gediegenund zweckmässig, sondern auch kunstgerecht und schön sei.
Bei den Gefässen allerdings, soweit dieselben nicht geradezu zuSchau- und Prunkstücken bestimmt waren, begnügte man sich auch nochfernerhin mit den dafür einmal als zweckdienlich anerkannten, meisteinfachen Formen. Dies betraf hauptsächlich vor allem das nur zuniederem Gebrauch nöthige Geschirr, das Küchengeräthe u. s. w., das,wenn es auch mit den Fortschritten in Mehrung und Zubereitung derSpeisen im Einzelnen manche Erweiterung erfuhr, im Ganzen jedochauch schon an sich kaum einige Veränderungen zuliess. Aber auch beidem Tafelgeschirr, dem Speisegeräth und den Trinkgefässen, obschon sichdies der Verschönerung in weit höherem Grade darbot, verblieb maneinstweilen noch ebenfalls, mit nur geringen Ausnahmen, bei der bis-herigen Beschränkung stehen. Wie früher, so wählte man dazu auchjetzt noch, und selbst noch bis tief ins Mittelalter, hauptsächlich entwederirdene oder zinnerne Gefässe, sie höchstens nur bei besonderen, ausser-gewöhnlichen Vorkommnissen, wie bei ausnehmenden Festlichkeiten, aberauch da vorerst stets nur zum Theil durch silberne Geschirre ersetzend.So wenigstens war es und blieb es noch lange selbst auch beim reichstenBürgerstande, dagegen nun freilich der vornehme Adel und unter diesemwiederum die Fürsten es sich alsbald zur Ehre machten, auch hierin be-sondere Pracht zu entfalten. Indessen blieb auch bei diesen im Ganzen,wenigstens im Vergleich zu später, ein derartiger Aufwand vorerst nochgering; so mindestens bis zum Schluss dieses Zeitraums, von da an der-selbe sich dann allerdings auch um so rascher steigerte. Während das silberneund goldene Tafelgeschirr Kaiser Friedrichs II. (um 1249) den Worth voneintausend Mark nicht überstieg, ward das Silber- und Goldgeschirr, mitdem bei der Krönung Königs Wenzel um 1297 die Speisetafeln besetztwaren, auf sechstausend Mark geschätzt. — Natürlich liess man es sichnun bei den aus edlem Metall beschafften Gefässen keineswegs nur amMetallwerth genügen, sondern suchte den Werth derselben durch kunst-volle Arbeit zu erhöhen. —