36
Einleitung. Koetümgestaltung im 12. und 13. Jahrhundert.
Die zur Ausstattung der Wohnräume erforderten Gerätschaften oderdie Möbel im engeren Sinne waren es somit woran sieh hauptsäch-lich eine durchgängigere Umwandlung im Geiste der neuen Zeitrichtungvollzog. Sie, ähnlich wie die Kirchenmobilien, in näherer Verbindung mitdem Bau selbst, ja auch an sich wenigstens zum Thcil gewissermassenBauwerke im Kleinen, boten sich von vornherein als dazu besonders ge-eignet dar. So weit es nur irgend ihr Hauptzweck zuliess, der freilichauch hierbei die Grenze bestimmte, erfuhren denn sie auch am frühsteneine dem „germanischen“ Baustyl völliger entsprechende Durchbildung.Doch machten sich daneben schon gleich noch anderweitige Einflüssegeltend, die, wenn auch nur ausnahmsweise, auf die Gestaltung zurück-wirkten, darunter wohl die erfolgreichsten mit auf Anschauungen be-ruhten, welche man inzwischen bereits im ferneren Orient gewonnen hatte.
Dies letztere war allem Anscheine nach namentlich bei der nun-mehrigen Beschaffung der Thron- und Ehrensessel der Fall. Währendman diese vor dieser Zeit fast durchgängig in der Gestalt gewöhnlicherLehnstühle herstellte, auch wohl noch im zwölften Jahrhundert ohnejegliche Lehne beliess (Fig. 27 b), bildete man sie nun nicht selten, im
Fig. 27.
\~ o'.o'.o; o'. o; o'.q '.o~
Anschluss an ostasiatische Formen, als hohe umfangreiche Stühle mitrunder oder vieleckiger Sitzplatte und dem entsprechend angeordneten,oft hohen Rücken- und Seitenlehnen, ja verzierte sie auch zum Thcilmit ebenfalls dem asiatischen Geschmack entlehnten, phantastischen Thier-gestalten. Solche Verwendung ausheimischer Formen erstreckte sich indesseben vorwiegend nur auf diese Art von Sessel und den damit meist ver-bundenen sogenannten Baldachin, und auch dies nur vorübergehend, da-gegen man alle noch übrigen gemeinhin gebräuchlichen Sessel undStühle, als auch das noch sonstige Geräth überhaupt, gleichwie im