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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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Das Geräth. Hausgeräthe (Möbel). 37

zwölften Jahrhundert so auch fernerhin fast durchgängig nach heimischemGeschmack bildete.

So gering nun auch trotz der allmäligen Zunahme der Bedürfnissedie geräthliehe Ausstattung der eigentlichen Wohnräume selbst noch imdreizehnten Jahrhundert verblieb, zählten dazu doch (auch schon seit Be-ginn des zwölften Jahrhunderts) nächst den erwähnten Sesseln und Stühlen,und zwar als gebräuchlichste Gesässe, Bänke von sehr verschiede-ner Grösse, theils mit theils ohne Rückenlehne, zumeist längs den Zim-merwänden befestigt und, wie gemeiniglich auch die Stühle, mit Teppichenund Kissen bedeckt; ferner Tische und Speisetafeln mit runder oderoblonger Platte, gewöhnlich, so namentlich die letzteren, von sehr be-trächtlicher Ausdehnung (Fig. 28)] kleine Lese- und Schreibepulte

Fig. 28.

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mit schrägruhender Oberplatte, erstere zuweilen ganz von Metall; koffer-

artige Laden und Truhen zur Aufbewahrung von Kleidungsstücken,Kostbarkeiten u. dergl., mit zumeist flachem verschliessbarem Deckel, wo-gegen hochstehende (Thür-) Schränke einstweilen noch fast ohne Aus-nahme zum Kirchengebrauch bestimmt wurden; schliesslich Betten undKinderwiegen, davon man die Betten insbesondere schon im elftenund zwölften Jahrhundert (Fig. 29), und noch mehr im dreizehnten (Fig. 30),nicht sowohl in Anbetracht grösstmöglicher Bequemlichkeit, als auch reinäusserlicher Ausstattung durch künstliche Schnitzarbeit u. s. w. zu wahr-haften Prunkgeräthen machte, was hauptsächlich mit darauf beruhte, dasssie nicht, wie gegenwärtig, dem Auge des Fremden entzogen wurden, viel-mehr gerade in dem dem Verkehr gewidmeten Raume einen Hauptplatz