Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
42
JPEG-Download
 

42

Einleitung. KostQmgestaltung im 12. und 13. Jabrhundert.

In Herstellung endlich der Kriegsgeräthe folgte man stets nochden dafür anfänglich entlehnten altrömischen Mustern, ja verliess dieseüberhaupt nicht eher, bis dass die immer weitere Verbreitung und zweck-massigere Verwendung des Pulvers !(etwa seit Beginn des vierzehntenJahrhunderts) die Beschaffung nun dementsprechender Geräthe geradezuforderte. Somit bestand das Kriegsgeräth fast ohne Veränderung nachwie vor, und zwar zunächst das zur Erstürmung von Mauern, aus grossenhölzernen Wandelthürmen, den sogenanntenEbenhoch, Mauer-brechern oderDriböcken, Schutzdächern, Sturmhaken u. dergl.,sodann, zu dauernder Belästigung des Feindes, aus mancherlei Arten vonBogenspannern in Form von gewaltigen Armbrüsten auf starken Räder-gestellen ruhend, ähnlich den alten Arkuballisten, Catapulten u. s. w.; ausdahin gehörenden Schwungkörben und, nächst noch anderweitigem minderwichtigem Kleingeräth, aus Schleuderkästen und Steinschleudernvon zumeist sehr beträchtlicher Wirkung, die, wie deren BenennungenMangen, Mangell, Tummeren, Blaiden, Peteräre, Pfedelere u. a. an-zudeuten scheinen, von mannigfach wechselnder Beschaffenheit waren.Die Zelte pflegte man aus groben Matten oder derben Decken und ein-fachen Tragstangen herzustellen; so wenigstens für die niederen Truppen,während die Vornehmen allerdings auch damit oft grossen Aufwand trieben,indem sie ihre Zelte nicht nur möglichst umfangreich und bequem, alsauch nicht selten aus farbigen, zuweilen selbst reich gestickten Tep-pichen u. s. w. beschaffen Hessen .

Was schliesslich das Bestattungsgeräth im engeren Sinne an-betrifft, so bestand dies seit jeher durchweg hauptsächlich in Trage-bahren und Särgen. Davon hatten die Tragebahren ihre bereits imAlterthum eigene Form von bettgestellähnlichen Stangenbahren und ihreebenfalls schon seit Alters übliche Weise der Ausstattung durch Trauer-decken vollständig bewahrt. Den Särgen, gleichviel ob man sie vonStein, Metall oder Holz anfertigte, gab man vorwiegend die Gestalt vonmassig hohen oblongen Kisten mit giebelförmiger Bedeckung und, je nachdem Stand des Verstorbenen, eine mehr oder minder reich durchgebildeteVerzierung, wozu man für die Seiten vornämlich nur leicht erhobeneRandleisten, für den Deckel hingegen gewöhnlich oberhalb ein Kreuz beliebte.Nächstdem pflegte man auch die Särge, wenigstens während der Aus-stellung und des Leichenbegängnisses selbst, mit einem Teppich zu über-decken, am häufigsten von schwarzer Farbe mit eingestickten silbernenKreuzen oder, war der Verstorbene von Adel, mit dessen Wappenbilderngeschmückt.