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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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46 ! Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jabrh.

rischer Hülfsleistung beruhten. Eine auch in äusserer Hinsicht folgen-reichere Berührung Spaniens und Italiens mit Frankreich vollzog sichim Grunde überhaupt erst um den Schluss des fünfzehnten Jahrhunderts,gefördert durch die inzwischen so vielfach veränderten staatlichen Zustände,in Folge dessen nun auch fast sämmtliche grösseren Reiche des Abend-landes in noch näheren Bezug zu einander traten.

Für Deutschland nun, seitdem es einmal seine tonangebendeStellung zu Gunsten Frankreichs eingebiisst und sich hiernach gewöhnthatte namentlich in Betreff alles Aeusseren Frankreich als mustergültigzu folgen, bedurfte es um dessen Einfluss hier auch ferner in Kraft zuerhalten kaum noch irgend besonderer, wechselseitiger Veranlassung. Zu-dem war gerade das deutsche Reich auch noch während dieses Zeitraumsso vielfach mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, dass sich dasdeutsche Volk vorwiegend bei dem vor allem ihm eigenen mehr nachInnen gerichteten Wesen eine derartige Bevormundung auch um so ehergefallen liess. Zwar keineswegs abhold den Neuerungen, ja vielmehr selbstwohl zu einem raschen und auffälligen Wechsel geneigt, folgte es fortanauf diesem Gebiete doch weit lieber schon vorgebildeten, fremden Mustern,als dass es selber, in eigener Bethätigung, Muster ersann. Alles was esin dieser Hinsicht etwa noch selbständig förderte, beschränkte sich imWesentlichen auf eine zumeist nur launenhafte Umbildung im Einzelnen,dabei es denn in nicht seltenen Fällen, wie insbesondere in der Tracht,in Uebertreibung ausartete. Auch blieb cs dabei nun freilich nicht aus,dass sich die Deutschen gelegentlich auch die noch bei anderweitigen Völkernbestehenden Besonderheiten im Einzelnen aneigneten, wozu in Betreff Italiens ,die wenn auch nur vorübergehend nach dorthin mehrfach geführten KriegeHeinrichs TU. und Ludicigs IV. (zwischen 1312 und 1347) günstigeVeranlassung gaben. Und ebenso wirkten dann selbst auch die nochweiteren Beziehungen seit Karl IV. und König Wenzel zu den entfernterenslavischen Ländern Böhmen , Mähren u. s. w. nicht weniger darauf zurück,welche Beziehungen denn zugleich auch wiederum mit dazu beitrugen,in diesen Ländern nun die in ihnen schon in der vorangegangenenEpoche begonnene kosttimliche Ausgleichung in noch weiterem Umfangezu befördern. Russland dagegen verblieb noch einstweilen, zum Theilselbst bis 1480, unter der Herrschaft der Mongolen und deren despotischemEinflüsse.

In den skandinavischen Reichen, obschon diese ausser ein-zelnen gegen Russland geführten Kämpfen, bei der in ihnen stets herr-schenden Gährung vorerst noch wenig in das grosse Weltgetriebemit eingriffen, hielt man hinsichtlich des Kostüms fortdauernd an demdaselbst bereits im zwölften Jahrhundert durchgängiger befolgten Vorbilde