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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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Geschichtliche Uebersicht.

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der Deutschen fest, dies auch ferner nur dahin beschränkend, dass maues stets den klimatischen Bedingnissen anzupassen suchte.

Was nun die innerhalb einer derartig geförderten Ausgleichung desKostüms statthabenden Wandlungen desselben, wie insbesondere dessenso rasche allgemeinere Umgestaltung gegen Ablauf der ersten Hälfte desvierzehnten Jahrhunderts betrifft, so lässt sich dies wesentlich nur auseinem Zusammenwirken von sehr verschiedenen innern und äussernUrsachen erklären. Wie nach der verhängnissvollen Zeit der hohenstau-fisehen Bewegung die volkerlichen Verhältnisse lagen, musste sich .dem-gegenüber bald Jeder, vom Höchsten bis zum Geringsten herab, auf sichselbst, auf die eigene Wahrung seiner Interessen verwiesen sehen. Dernoch beständige Widerstreit aber der Parteien gegeneinander nahm jederen volle Kraft in Anspruch. Und wie dies nun, hauptsächlich in Folge desErstarkens des Städtewesens, dahin führte den Adel zu schwächen undihn somit zu nöthigcn sich enger mit dem Thron zu verbinden, mithin anstelleder bisherigen Adelsaristokratie die Einzelherrschaft vorzubereiten, begün-stigte es bei dem Bürgerthum selbst das längst schon von diesem mit allenMitteln unbeirrt verfolgte Bestreben nach möglichst freiem Selbstregiment; zudiesem wechselvollen Hingen, in welchem in nicht seltenen Fallen sogar auchdie höchsten Machthaber für ihre Zwecke als dienlicherkannten, sich bald«ach dieser, bald nach jener Seite hin förderlich zu zeigen, gesellten sichausser den fast überall von diesen geführten verheerenden Kriegen undden sie begleitenden Sehrecknissen, noch mannigfach anderweitige natür-liche Bedrängnisse, so dass dies Alles zusammengenommen wohl in derTliat mehr geeignet war, den Sinn noch ausschliesslich zu beschäf-tigen, als ihn, wenigstens schon zunächst, auch zu noch weiterer Betä-tigung, besonders aber auf dem Gebiete des Kostümlichen anzuregen.Nicht genug der Verwüstungen und der immer tiefer greifenden sittlichenVerwilderungen, welche die fortdauernden Kriege über die Länder ver-breiteten, stellte sich dazu gleich um den Beginn des in Bede stehendenZeitraums, zuerst um 1305, in Frankreich , Deutschland und Italien einefurchtbar verheerende Seuche, der sogenannte schwarze Tod ein, sodannmit nur kurzen Unterbrechungen bis gegen die Mitte dieses Jahrhundertsin so unerhörter V erderblichkeit wiithend, dass ihr nach der Meinung derZeitgenossen die Hälfte des Menschengeschlechts erlag. Wie grausamsie in Wahrheit auftrat, dergestalt, dass man doch mindestens den viertenTheil der Bevölkerung als ihr Opfer annehmen darf, ergiebt eine nochvorhandene Rechnung, wonach die Zahl der daran Verstorbenen alleiniu den Klöstern des heiligen Franziskus nicht weniger denn 124,434betrug. Neben dieser, auch auf die Fortbildung der gesellschaftlichenZustände überaus schädlich rückwirkenden Seuche, ward das Abendlandwiederholt durch dauernde Theuerung und Hungersnoth und, insbesondere