80 I. Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
bedurfte seiner nicht mehr, gab ihn aber nicht gänzlich auf, sondern be-hielt ihn wenn eben auch nur als einen völlig zwecklosen, doch immerhinausnehmenden Schmuck bei, indem man ihn nun gleichfalls, wie jenen,tief unter die Hüften herabrückte oder, falls man sich desselben, wie gegenEnde des Jahrhunderts, abermals zu wirklicher Giirtung bediente, geradegegensätzlich dazu, ziemlich hoch bis zur Brust hinaufschob (Fig. 49 a ;vergl. Fig. 47 a — d).
Diesen Gewändern hatte man, wie es scheint in Frankreich bereitsvor dem Jahr 1340 und bald darauf auch in England, ein beson-deres Leibchen hinzugefügt, bestimmt über jene getragen zu werden(Fig. 47 a; Fig. 48 b). Dasselbe, dem Schnitte nach zunächst gewisser-massen die Gestalt des ermellosen Ueberwurfskleids im Wesentlichennur wiederholend, reichte indessen gemeiniglich wenig über die Hüftenherab und bildete so, indem es zugleich den Oberkörper weder ganz eng,noch auch irgend faltig umschloss, eine Art schmiegsamen Ueberhangsvon sehr gefälligem Aeusseren. Zu diesem Leibchen, das somit anfäng-lich eben wie jenes Ueberwurfskleid an jeder der beiden Annseiten tiefund breit ausgeschnitten war (Fig. 47 a), kam später und zwar gleich-sam dadurch, dass man nun auch, wiederum ähnlich wie dort, in die Seiten-ausschnitte Ermel einsetzte, noch ein wirkliches Jäckchen hinzu, welchesdann, da man es dem Wüchse noch passlicher anzuschmiegen wusste,vorzugsweise beliebt' wurde (Fig. 48 b). — Da dies Bekleidungsstücküberhaupt, das man im XJebrigen in beiden Formen nebeneinanderanwandte, gleich schon von vornherein vorwiegend als nur schmückendeZuthat galt, ward es auch durchweg als solche behandelt. Demnachpflegte' man es gleich anfänglich, mithin in seiner frühsten Gestalt desermellosen Ueberhangs, entweder aus Gold- oder Silberstoff, farbigerSeide oder Sammt mit ringsumlaufender Pelzverbrämung oder durchausnur von kostbarem Pelz, vorzüglich Hermelin, herzustellen, und es gele-gentlich dazu vom, vom Halse abwärts (nur scheinbar zum Schliessen)mit zierlichen Knöpfen zu besetzen; in seiner Form als Jäckchen dagegentheils gänzlich aus derartigen Zeugen, theils, nur mit Ausschluss derSeiten und Ermel, gleichfalls wie dort, längs der Brust und den Säumenvon seltenem Pelzwerk zu verfertigen (Fig. 48 b; vergl. Fig. 49 b).Zudem aber wurden nun diese Jäckchen auch wirklich zum Knöpfeneingerichtet, ja endlich selbst, wie es heisst zuerst von Johanna von Bourbon ; der Gemahlin Karl’s V., vor der Brust mit einer Art vonwiderstandsfähigem Blanchet versehen und, höchst wahrscheinlich als Nach-ahmung des eigentlichen Hüftgürtels, sofern man diesen bei den älterenseitwärts geöffneten Ueberhängen zu den Seiten hindurchblicken sah(Fig. 47 a), an den dahin bezüglichen Stellen mit einem dem Gürtelähnlichen goldgewirkten Langstreifen verziert (Fig. 48 6; Fig. 49 b).