A. Die Tracht. Frankr., Engl. , Nieder! Weibl. Kleidung (1340—1400). 83
•daneben aus diesen zum Theil zwar ziemlich geschmackvolle, in weiteremVerlauf aber auch zum Theil überaus seltsame Formen aus. Jene ent-standen hauptsächlich dadurch, dass man die seidenen gold- oder silber-
Fig. 5t.
Fig. 50.
durchzogenen Haarnetze oder „crepines“ gemeiniglich durch einen Stirn-reifen von zierlicher Goldarbeit erhöhte und diesem Reifen zur rechtenund linken, unmittelbar in der Gegend der Ohren, gewöhnlich zugleich alsUmschluss derselben, eine zumeist gleichfalls von Gold, Edelsteinen u. dergl.gefertigte breite Wulst hinzufügte (Fig. 51 a. b; vergl. Fig. 47 b). DerWechsel innerhalb dieser Form blieb wesentlich auf die Wülste beschränkt,was dann aber nur um so mehr dahin führte auch sie selbst im Ganzenzu übertreiben. Schon nach Verlauf von nur wenigen Jahren nach ihrerEinführung überhaupt, etwa seit 1364, schritt man dazu die beiden Wülstehalbkugelig oder gar walzenförmig wohl bis zu einem Fuss auszudehnen(vergl. Fig. 48 a), ja theilweis sie auch noch ausserdem so höchst wunder-lich zu gestalten, dass nun auch abermals dagegen nicht sowohl Geist-liche als auch Laien, so namentlich der- Prediger Cenare und der DichterEustache de Champs, wenngleich auch wieder vergeblich, auftraten. Der-artige Rügen betrafen zugleich nicht minder dann auch die noch fernerenhöchst sonderbaren Kopftrachten, wie solche nun vorwiegend aus denHauben in Verbindung mit dem Schleier auffällig genug erwachsen waren.Sie nämlich bildeten „atours“, die entweder hocherhoben gleichsam inMitten getheilt waren und längs den Kanten dieser Theilung von schmalenWülsten begrenzt wurden mit hinterwärts herabhängendem Sto K(Fig.49a.b)