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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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82 I. Das KoBtüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

artige Angriffe kräftiger zurückweisen zu können, die Spangen und Nadelnerfunden seien; man lachte darüber und blieb dabei. Andererseit aberfand eben jetzt, gerade im Gegensatz dazu, auch eine kaum minder über-triebene, fast nonnenmässige Verhüllung statt (vergl. Fig. 47 c) ; dies,wie es scheint, doch vorwiegend nur innerhalb des Bürgerstandes und auchhier nur bei älteren Frauen, oder, als Ausnahme, während der Trauer,in welchem letzteren Falle indessen man sich auch überhaupt einer be-stimmten, bezeichnenden Tracht zu bedienen pflegte. Nächstdem dass mandazu durchgängig dunkle, zumeist schwarze Gewänder wählte, bestanddieselbe bei Wittwen zuweilen noch insbesondere und zwar dannnicht selten bis zur Wiederverheirathung in einem weissen Scapuliermit darauf zahlreich eingestickten oder gemalten schwarzen Thränenund, statt des Gürtels, in einer Schnur, ähnlich der Hüftschnur derFranziskaner.

Der Mantel, welcher neben dem Allen fortdauernd gelegentlichAnwendung fand, wurde wesentlich nicht verändert. Derselbe bewahrtenach wie vor die Form des in Halbkreis zugeschnittenen langen undweiten Rückenumhangs mit Schlussverbindung vor der Brust, bestehendaus Spangenwerk mit daran befestigten breiten Bindeschnuren (Fig. 47a. b; Fig. 48 a). So namentlich in den höheren Ständen, wo man ihnspäter in Uebereinstimmung mit dem oberen Rock auch wohl zum lan-gen Schleppkleide gestaltete und dann auch dies, wiederum nach demVorgänge der Gemahlin Karls VI., der prachtliebenden Isabelle vonBaiem (Fig. 49 b) in dem Maasse steigerte, dass die Ueberfülle desStoffs nicht selten, nur um frei ausschreiten zu können, von Dienern oderDienerinnen nachgetragen werden musste; dies um so nöthiger, als jetztdies Gewand zugleich mit als eigentliches Prunkkleid diente und,wie eben in diesem Fall, stets aus den kostbarsten und schwerstenStoffen, mit Pelzwerk gefüttert oder verbrämt und sonst noch sehr reichverziert beschafft ward (Fig. 49 b). Doch kamen nun neben diesen Män-teln allmälig auch kleinere Umhänge (mantelei, heulte) in Gebrauch,die zumeist ähnlich den kürzeren glockenförmigen Umhängen der Männer,muthmasslich auch von diesen entlehnt, namentlich unter den niederenStänden bald allgemeinere Verbreitung fanden, wie sich denn letztere jaüberhaupt stets auf grössere Einfachheit, immer mehr auf das nur Zweck -liche und Praktische hingewiesen sahen (vergl. Fig. 50 a c).

Abgesehen von den Fussbekleidungen, dazu kaum wirklich Neueskam und die auch die Weiber, trotz des Verbots Karls V. und sonstigerEinreden,zum Spott Gottes und der Kirche fast durchgängig langspitzigtrugen (Fig. 49 b) , waren es nun auch hier wiederum die Kopfbe-deckungen, daran sich besonders die Neuerungssucht bethätigte. Ohnedie einmal üblichen Gestaltungen geradezu aufzugeben, bildete man