A. DieTracht. Frankr., Engl. , Niederl. Männl. Kleidung (1400—1440). 89
Fällen da, wo das Kleid als Ueberkleid über den mit falschen Schultern(„mahoitres“) versehenen Rock dienen sollte, dementsprechend aufgestutzt(Fig. 53 b; Fig. 54), sonst aber gemeiniglich sehrweit oder doch nur massig enger beliebt und entwe-der so durchweg belassen oder aber, und zwar vor-n'ämlich im ersteren Falle, oberhalb nur in der Mitteoder gänzlich (zu Hänge-Ermeln) aufgeschlitzt (Fig. 53 a).Auch fertigte man sie noch ausserdem, und so nunwiederum vorzugsweise für den vorn offenen jaquette,theils in Form der schon seither bekannten eigentlichenSchleppermel, theils rundsackförmig mit einer in Mittennur massig weiten Armöffnung, theils aber auch, beiverschiedener Ausdehnung, von glockenförmiger Er-weiterung. Hierbei hauptsächlich pflegte man sielängs den Rändern mit den noch immer beliebtenZaddeln zu verzieren oder, zuweilen auch damit ver-bunden, mit Pelzwerk zu füttern und zu verbrämen;ebenso das Gewand an sich, das, da es zugleichmit als Prunkkleid diente, auch überhaupt in Stoffund Verzierung, wie insbesondere durch glänzendeFärbung, gestickten Bortenbesatz und dergl. möglichstkostbar beschafft wurde. —
So ausgestattet nun nebst den dazu noch sonst gehörigen Beklei-dungsstücken, der Kopfbedeckung u. s. w., von dementsprechender Durch-bildung, erschienen alle diejenigen, die auf Stutzerthum Anspruch machten,falls sie sich nicht eben mit den durchgängig langen Gewändernbekleideten, die zum Theil allerdings ebenfalls eine stutzermässige Durch-bildung erfuhren. Diejenigen dagegen denen es an Neigung oder anGeld dazu fehlte, wenn sie nicht gerade ganz mittellos waren, folgtenzwar auch dem Zeitgeschmack, aber doch immer in einer dem Anstandangemesseneren Einfachheit. An Enge und Kürze freilich war das Augeeinmal seit lange gewöhnt. Dem konnten auch sie sich nicht ganz ent-ziehen, mässigten dies jedoch sehr beträchtlich. Bei ihnen bildete derRock gewöhnlich nur theils eine Art von Kittel, auch „gipon“ oder,jupon“ genannt, der lose bis über die Hüften reichte, theils eine Artvon kurzem Wams; in beiden Fällen mit langen Ermeln, die, zumeistfobig, gelegentlich an den Schultern kurz aufgebauscht und oben in Mittengeschlitzt waren (Fig. 55 a. b). Das Ueberkleid, das auch sie zuwei-len darüber anzuziehen pflegten, bestand in einem einfachen „jaquette“mit gewöhnlich nur kurzem Schoss oder in einer Art von Blouse ( heu-que“) mit Halbermein oder auch ohne Ermel. Das Beinkleid schlosssich den Beinen zwar eng, aber keineswegs so gespannt an, dass es das
Fig. 54.