88 I- Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
wurde, schloss sich das enge Beinkleid an. Dies, unter dem knapp-anliegenden Schoss mit Nesteln um die Hüfte befestigt, ward nunaufs Aeusserste angespannt, so dass es, den Beinen wie angegossen, jed-wede Form genau kennzeichnete. Dazu kam, das Schamlose solcher Engenoch zu erhöhen, dass man an Stelle des bisher gemeinhin, üblichenZwischenschlitzes, den vordem auch der Rockschoss bedeckte, eine Artvon gesteifter Kapsel oder „braguette“ anbrachte, und dass man diese,die völligst frei lag (Fig. 52), an ihren beiden Befestigungspunkten zu-weilen sogar noch mit Bandschleifen oder mit Franzen ausstattete.
Vielleicht mit um das Unschickliche dieser Tracht doch in Etwas zumildern, ohne die einmal beliebte Enge dem Auge gerade ganz zu ent-ziehen, führte man, wie es scheint zuerst während der Herrschaft Karls VH.(1422—1461) ein freilich ebenfalls nur kurzes, doch weites und mit langenund weiten Ermeln versehenes Ueberziehkleid (,jaquette“, engl.
Fig. 53.
,jacket“) ein. Dies Gewand, das nun sofort auch in England, unterHeinrich VI. (1420—61), allgemeinere Verbreitung fand, trat vermuth-lich vorn herein in zwei besonderen Hauptformen auf. In der einen,welche in Frankreich vorzugsweise beliebt wurde, bildete es einengeschlossenen ziemlich faltigen Ueberhang, den man, um die Hüftengegürtet, nach der Mitte des Gürtels hin zu mehreren Schrägfalten zusam-menschob, so kurz, dass er höchstens den Leib bedeckte {Fig. 53 a. b),in der anderen Form, die in England haupsächlich in Aufnahme kam,einen vom der Länge nach offenen nur massig weiten Ueberrock, der theilsbis zur Mitte der Oberschenkel, theils, obschon ungleich seltner, bis gegendie Knie hin herabreichte (Fig. 54). Die Errnel wurden in beiden