96 I- Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jabrh.
Ganzen nur sehr beschränkt. In den höheren und begüterten Ständennamentlich fuhr man unbeirrt fort, der Modelaune stets Rechnung zutragen und ihr, soweit es nur irgend thunlich, den freisten Spielraum zugewähren.
Die beiden vorherrschenden Obergewänder wurden im Anschlussan den zu Anfang der Regierung Karls VI. eingeleiteten Gebrauch derhöheren Gürtung und der Schleppe allmälig noch höher hinauf gegürtetund zu noch massigeren Schleppen verlängert. Mit der Zunahme dieserGestaltung, dadurch die natürlichen Formen des Körpers gleichsam aus-einander gezogen erschienen, rückte der Gürtel in kurzer Frist bis nahean die Brust.heran, wo er sich dann, mit nur geringen Abweichungen
im Einzelnen, für längere Zeit be-hauptete {Fig. 60 a — c; ff.). Gegensolche Unförmlichkeit, die noch da-durch gesteigert wurde, dass manjetztdieobereRobe, ganz ähnlich wiedie Robe der Männer, mitunter sehrweit und über der Brust engfaltigzusammenzuschieben beliebte {Fig.60, Fig. 61), hatten die dochsonst so gestrengen Sittenrich-ter nichts einzuwenden; um somehr aber wiederum gegen dieVerlängerung der Schleppe, dage-gen die Geistlichkeit vor allemnach wie vor mit Eifer auftrat,,dergestalt, dass es den Franzis-kanern um 1435 gelang, von demPapste Eugen IV. sogar die Er-laubnis zu erwirken, allen Wei-bern die Schleppen trügen unddenen, die sie anfertigen würden,.a.. b die Absolution verweigern zu dür-
fen. Indessen auch selbst dem-gegenüber behielt man die Schleppe nicht allein in der gerügten Aus-dehnung bei, vielmehr fuhr ohne Bedenken fort, sie ganz nach Willkürnoch zu verlängern {Fig. 62; vergl. Fig. 63; ff.).
Während das untere stets engere Gewand, das man noch ferner
zweite Ausgabe lautet: „Der Kitter vom Thuru, Zuchtmaister der Weiber undJunckfrawen. Anweisung der Junckfrawen und Frawen, wess sieb eyn jede inirem standt gegen idermann etc. halten soll etc. Yon neuwem verteutscht. Strass burg 1538.“ Beide Ausgaben mit vielen Holzschnitten.
Fig. 61.