104 I- Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
vier Sänger sich befanden; daneben ein Schiff mit vollen Segeln undallem sonstigen Zubehör nebst angemessener Bemannung. Die zweiteTafel trug eine Pastete, in der sechsundzwanzig Musiker sassen, die zurMahlzeit aufspielten; ausserdem ein befestigtes Schloss, welches die FeeMelusine in Gestalt einer Schlange bewohnte, dessen Ringgräben mitOrangenblüthenwasser gefüllt waren. Daran schloss sich die Vorstellungeiner Wüste, in der ein Tiger mit einer grossen Schlange kämpfte;hierauf erschien ein wilder Mann, der sich auf ein Kameel setzte, undein Narr, der einen Bären bestieg. Zu Ende der Mahlzeit kam ein Riesein der Tracht der Mauren von Granada, einen mit kostbaren seidenenDecken behangenen Elephanten führend, auf dessen Rücken ein Schlosssich erhob, darin eine gefangene Dame in der Kleidung der Religiösen stand. Sie als Sinnbild der von den Türken unterjochten christlichenKirche, begleitet von zwölf anderen Damen, forderte, unterstützt vondiesen, in einer langen gereimten Ansprache die Versammlung zu ihrerBefreiung auf. Hiernach ward ein Fasan gebracht, der eine reich mitkostbarenSteinen ausgestattete Halskette trug, darauf nun jeder der An-wesenden bei Gott, der Jungfrau und dem Fasan schwur die Ungläubigenbekämpfen zu wollen, wobei es aber lediglich blieb, da der grösste Theilder Genossen, kaum nachdem er das Fest verlassen, auch schon seinGelübde vergass. — Bei Vollziehung der Taufe Maria’s, der einzigenTochter Karls des Kühnen und Isabella’s von Bourbon, um 1441, waren,ganz abgesehen von der unzählbaren Menge, welche der Handlung imäussersten Schmucke beiwohnten, allein zur Begleitung und zum Empfangedes hohen Täuflings nicht weniger als sechshundert Fackelträger bestellt,die theils der vornehmsten Bürgerschaft, theils dem Hofstaate angehörten.Die Bürger, vierhundert an der Zahl, waren durchaus gleich gekleidet,die übrigen, hundert Hausbeamte und hundert Hofjunker oder Pagen,trugen die ihnen je eigene überaus kostbare Staatskleidung. Der Hof mitseinem glänzenden Gefolge und Allem was irgend zu ihm gehörte, darunterauch der Dauphin von Frankreich , als auch die gesammte Geistlichkeit,jegliches in möglichster Pracht, erfüllte ■ die weiten Räume der Kirche.Diese selbst waren aufs Reichste geschmückt; die Wandflächen und dieFussböden bedeckten kostbare Teppiche; die Sitze und vor allem derTaufstein waren mit Brokatgeweben und mit darüber sich erhebendenreich gestickten Baldachinen von schwerem Sammet ausgestattet. — Biszu welch äusserstem Grade indess ein derartiger Aufwand namentlichdurch Karl den Kühnen gesteigert ward, dafür spricht schliesslich dennnicht sowohl sein Erscheinen bei der von ihm selber veranlassten Zu-sammenkunft mit Kaiser Friedrich in Trier im Jahre 1474, als auch derunermessliche Schatz, welchen er nach der unglücklichen Schlacht beiGranson, um 1476, den Siegern zur Beute zurücklassen musste. Während