A. Die Tracht. Frankr., Eugl., Miederl. Männl. Kleidung (1440—1480). 109
Welt auch ferner hauptsächlich ihr Augenmerk richtete. Von solcherGestalt war auch der Hut, den Philipp der Kühne bei Granson einbüsste,■der sich indessen zugleich durch die Pracht und Kostbarkeit seiner Aus-stattung vor allen anderen auszeichnete. Dieser Hut, oben abgestumpftund mit nur schmaler Krempe versehen, war mit gelbem Sammt über-zogen (vergl. Fig. 69 d); den Kopftheil umgab ein Kronenreif vonSaphiren und Rubinen, je von drei grossen Perlen begrenzt, und darüber,bis zum Deckel, eine sechsfache Schnur von Perlen, welche vorn, überder Stirnmitte, eine aus Diamanten, Rubinen und Perlen gebildete Gold-arbeit schmückte, aus der sich eine weisse und rothe gekräuselte Federschwungvoll erhob. Nach dem Ankauf dieses Prachtstücks durch Jacob Fugger , der es zerschnitt, gingen dessen werthvollsten Steine an Kaiser Maximilian über. — Im Allgemeinen begnügte man sich statt des gol-denen Kronenreifens, der überhaupt nur Herrschern zukam, mit einergoldenen drillirten Schnur, und statt kostbarer Edelsteine mit Goldstickwerkund farbigem Besatz; auch liess man wohl den Federschmuck fort oderaber beschränkte ihn auf eine einzige schmale Feder in fast senkrechterErhebung, dabei man indessen in der Färbung des Stoffüberzugs gernwechselte. Da die burgundische Hofetiquette verlangte, dass man vordem Höhergestellten den Hut abnehme und ihn insbesondere vor demHerzog nie aufsetze, war es unter den Vornehmen, wohl selbst mit ausWiderspruch, üblich geworden, darunter eine Kappe zu tragen, die manbeständig aufbehielt (Fig. 69 a. d). Diese Kappen, gewöhnlich einfarbig,waren fast so hoch als der Hut, kegelförmig, ohne Krempe und, ähnlichden auch sonst schon gemeinhin gebräuchlichen hohen Unterkappen,zuweilen oberhalb der Spitze mit einer kleinen Quaste verziert; die Hütemitunter, um sie nach Belieben über den Rücken tragen zu können, miteinem schmalen Bande versehen (Fig. 69 d; vergl. Fig. 53 h). Zudemauch pflegte man die Hüte entweder vorn oder an der Seite, je nachder Breite ihrer Krempe, bald höher, bald niedriger aufzustülpen, dieseAufstülpung vermittelst Häckchen an den Kopftheil zu befestigen undüber dem Befestigungspunkt eine Agraffe anzubringen. — Diese Hütenun in \ erein mit jenen hohen Unterkappen blieben durchweg zumeistin Gebrauch; so wenigstens bei den Vornehmen, die überhaupt danebennur noch, doch auch schon immer spärlicher, die breitausludenden rundenWülste mit herabfallender Stoffmasse und Sendelbinde anwandten, alle
noch sonstigen Bedeckungen aber den übrigen Ständen überliessen. _
Hinsichtlich der Anordnung des Haars fand inzwischen ein Wechselstatt, der jedoch weder von Dauer war, noch sich über den engerenKreis des burgundischen Hofs hinaus erstreckte. Der Gebrauch dasHaar lang zu tragen, ja, wie Monstrelet berichtet, „zu den Seiten vonsolcher Länge und gekräuselt wie Hundsohren“, welcher bereits zur