116 I- Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrli.
Fiy. 72.
gestaltung zu verändern auch noch während dieser Zeit, bei den Vor-nehmen wenigstens, von dem alltäglichen Gebrauch ausgeschlossen und,in prunkender Ausstattung, dem feierlichen Erscheinen Vorbehalten, jedochauch durch die noch ferner gebräuchlichen weiteren Obergewänderentbehrlich.
Diese weiteren Gewänder nun, dadurch sich auch namentlich derehrbare Mann von der leichter gesinnten Jugend und dem Stutzer kenn-zeichnete, indem jener sie vorzugsweise da, wo er öffentlich erschien,über der allerdings auch ihm sonst eigenen knappen Kleidung trug, be-wahrten zwar auch ihre Grundformen, doch auch nicht ohne mindestensgleichfalls einige Veränderungen zu erfahren. ImGanzen freilich bildeten sie, auch nach wie vor,längere und kürzere, bald engere, bald weitere Ermel-röcke, die entweder vorn geschlossen oder völlig offenwaren; im Einzelnen jedoch erfuhren sie inzwischennun darin einen Wechsel, dass man sie, allein mitAusnahme der sehr langen Ceremonial-Gewänder,durchgängig verliältnissmässig kürzte, dergestalt dasssie oft nur bis zur Mitte der Oberschenkel, höchstensaber bis knapp zu den Füssen herabreichten (Fig. 72).Ausserdem pflegte man jetzt sowohl die geschlosse-nen als auch die vorn offnen, ganz abgesehen vonnoch anderweitiger meist reich verzierender Ausstat-tung , mit Pelz zu füttern und zu verbrämen, unddie letzteren noch insbesondere, die überdies bei denReicheren jene ersteren allmälig verdrängten, miteinem gemeinhin ziemlich breiten Ueberfallkragenund von diesem ausgehenden schmalen Ueberschlägenlängs der Oeffnung zu versehen. Dazu behielt manfür die Ermel die einmal üblichen Formen bei, wieman denn keinen Anstand nahm hier sogar die oftübermässig langen Schleppermel anzuwenden, die,da sie den Rock weit überragten und die Bewegungder Arme hemmten, nun auch wiederum, eben nur um diese bequemhindurchstecken zu können, vorn fast völlig aufgeschlitzt wurden. Das-selbe fand bei den langen Ermeln der Ceremonial-Gewänder statt,die sich im Uebrigen von den alltäglichen vorn geöffneten Ueberröckenim Grunde genommen lediglich durch ihre stets kostbare Ausstattungund ihre gewöhnlich beträchtliche Weite und schleppende Länge aus-zeiclmeten (Fig. 73 a. b). — Sonst aber noch kamen in Frankreich zunächst während der Herrschaft Karls VIII. (1483 bis 1498) und als-bald auch in England unter Eduard V. (seit 1483), und hier dann