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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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A. Die Tracht. Frankr., Engl. , Nieder], Männl. Kleidung (14801500). 115

Bauschung des daraus hervorquellenden Hemdes noch erhöhte, sonst aber,ohne Aufsehlitzungen, wandte man sie auch in den schon seither dafürüblichen Gestaltungen an, nur dass man jetzt den bis zum Ellenbogendurchaus enganliegenden und von da bis zur Schulter aufgebauschten denVorzug bewahrte (vergl. Fig. 73 a ; Fig. 55 a). Eine noch fernereVeränderung, die jedoch weniger die Form, denn die Ausstattung alssolche betraf, erfuhren der llock und das Beinkleid hauptsächlich durchStickerei und Bortenbesatz: der Rock, indem man vorzugsweise dieKanten des tiefen Brustausschnitts, zumeist in Verbindung mit dem darunterangeordneten breiten Brustlatz, besonders kostbar durchbildete; das Bein-kleid, sofern man dies nun fast durchgängig theils oberhalb, theils biszu den Knien gleichfalls mit mancherlei Zierrath versah. Dieser, be-stehend hier einestheils in verschiedenfarbigen Langstreifen, zuweilen mitdazwischen vertheilten oder darüber waagerecht laufenden Einzelver-zierungen, anderntheils aber in aufgenähten oder künstlich eingesticktenWappen, Sinnsprüchen u. dergl., bedeckte entweder nur einen Schenkelund diesen dann bald vollständig, bald nur längs der Aussenseite, oderbeide Schenkel zugleich, in letzterem Falle entweder beide in durch-aus gleichartiger oder in von einander verschiedener Formen- und Farben-Behandlung. Noch später, so um den Schluss dieses Zeitraums begannman dann auch, wohl eben mit in Folge derartiger Ausstattung, denoberen Theil von dem unteren zu trennen oder doch bald längere, baldkürzere Oberschenkelhosen über die sonst noch, wie bisher, ganzenBeinkleider anzulegen, auch wohl diese noch ausserdem unterhalb mit eige-nen strumpfälinlichen Beinlingen zu bedecken. So vorzugsweise in Eng-land unter Heinrich VII. (seit 1485).

Der vordem sehr verbreitete Brauch das Beinkleid, welches im Uebri-gen noch immer die Füsse mitbedeckte, zum Ersatz der Fussbekleidung ,unter den Füssen zu besohlen hörte allmälig völlig auf. Die besondereFussbekleidung wurde nunmehr ganz allgemein, blieb auch noch fernerdie frühere, nur dass man seit 1480 die sonst so beliebten langen Schnäbelzuvörderst gegen ziemlich kurzeentenschnabelförmige Spitzen und end-lich, etwa um 1500, auch diese und zwar nun zu Gunsten sehr breit zu-geschnittener Vorsohlen aufgab.

Zu solcher vollständigen Bekleidung, welche namentlich in Deutsch­ land schnell allgemeine Verbreitung fand (s. unt.), kam noch ein auchihrer Knappheit entsprechendes kurzes Mäntelchen hinzu, da,s, häufignur ein viereckiges Stück mit breiter oder schmälerer Einfassung, in vielenFällen kaum hinreichte den Oberkörper nur halb zu verhüllen um denes gemeiniglich zur Linken vermittelst einer zwiefachen Halsschnur dieman vor der Brust verknüpfte, leichthin flatternd gehalten ward. ' Derlange und weite Mantel dagegen blieb ohne seine bisherige Grund-