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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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126 I* D a8 Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

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zwar immer noch, wie seither, gemeiniglich in geschmackvoller Verbin-dung mit den noch sonst üblichen Kopftrachten.

Die Veränderung der Kopfbedeckung wirkte auf die Haartrachtzurück. Mit zunehmender Verbreitung jener kleineren Kappen und Mützenkam das Haar wiederum mehr zur Geltung. Der Gebrauch es durch-aus zu verdecken wurde dadurch aufgehoben und, wenngleich auch nurziemlich langsam, schliesslich fast gänzlich aufgegeben. Zuvörderstbeschränkte man sich darauf das Haar in gewohnter Anordnung, vonder Stirne schlicht zurückgestrichen, nur insoweit sehen zu lassen, alsdies eben der nunmehr geringere Umfang der Käppchen mit sich brachte{Fig. 75 c), oder es doch nur noch gelegentlich mit dem Kopftuch zuverhüllen (Fig. 76 a. b. c). Hiernach, da sich das Auge erst einmal audiese Anordnung gewöhnt hatte, schritt man dazu es auch an den Seitender Wangen dem Auge blos zu stellen, es hier zu kräuseln und zu ver-flechten. In Folge nun dieser Anordnung dann aber, die durch Anna von Bretagne ganz besonders begünstigt ward (Fig. 78), schwand all-mälig auch jede Beschränkung; und wie es fortan bald wiederum galtselbst mit der Fülle des Haars zu prunken, wurde es, und zwar vor-zugsweise bei der Jugend, nicht allein üblich die Flechten möglichst zuverlängern, auch wohl das Haar, ganz wie vor Alters, völlig aufgelöst zutragen (Fig. 77 a.b; Fig. 79 b), sondern es auch bei mangelnder Fülle,wie Olivier Maillard berichtet, in Nachahmung italienischen Vorgangs,durch falsche Haare zu verstärken.

Zu dem Allen blieb der Aufwand der vornehmen Stände mitSchmucksachen und eigentlichen Schmuckmitteln noch beständigim Steigen begriffen. Ganz abgesehen von dem ausnehmenden Luxus,den sie in der Ausstattung der an sich schon höchst kostbaren Stoffedurch Stickerei, durch Benähen derselben mit Perlen, kleinen Goldschmiede-arbeiten, Spitzenwerk u. s. w. trieben, wetteiferten sie in der Kostbarkeit von Kronen, Armbändern, Halsketten, Hingen, Agraffen, Rosenkränzen,Gürteln, Täschchen, gestickten Handschuhen und seit der RegierungLudwigs XI. vorwiegend auch von verzierten Hand fächern, dabei manden Werth nun nicht sowohl durch den Stoff, als noch vielmehr durchdie Arbeit zu erhöhen suchte, was denn der noch weiteren Ausbildungder Goldschmiedekunst und aller dahin einschlagenden noch sonstigenGewerke ganz besonders zu statten kam. Und ganz demähnlich verhieltes sich auch mit der Verwendung von Schönheitsmitteln, vonmannigfach wohlriechenden Oelen, kostbaren Essenzen und Pomaden,darunter die Schminke nach wie vor ihren Rang behauptete, beständigzum Aerger der Geistlichkeit, wie namentlich auch des Paters Maillard ,dessen gewöhnlicher Redeschfuss gegen die Weiber lautete:Sie bepin-seln ihre Gesichter und verändern ihre Farbe, was einer ehren- und