A. Die Tracht. Frankr. etc. Kleidg. d.nied.Stände im Allg. (1480—1500). 127
tugendsamen Frau doch nie begegnen sollte, aber sie sagen spöttisch:Ach was! man müsse dem Prediger nicht glauben. Nun, meinetwegenfahrt alle zum Teufel!“ —
Wie die Herren, so die Diener. Und was nicht von Geburt vornehmoder sonst reich begütert war, suchte wenigstens so zu erscheinen. Dazukam, dies begünstigend, dass während der Adel in Folge seines über-triebenen Aufwandes mindestens zu nicht geringem Theil durch Verpfän-dung seiner Güter an den Bürgerstand verarmte,' dieser sich überhauptzur vorwiegend besitzenden Klasse erhoben hatte. In Allem, wobei eswesentlich nur auf Vermögensmittel ankam, vermochte er jetzt auch imAllgemeinen mit den Vornehmen zu wetteifern, ja in einzelnen Fällensogar es Fürsten und Königen gleich zu thun, dadurch sich denn in derArt des Erscheinens, wie besonders in der Tracht, schliesslich auch derleiseste Standesunterschied fast gänzlich verwischte. Von den Reichen er-streckte sich dies, natürlich in je bedingtem Grade, auf die minder Bemittel-ten, und von diesen auch wiederum auf die noch ärmeren und dienendenKlassen, sofern diesen eben nicht je eine eigene, sie als solche bezeich-nende herrschaftliche Tracht zugewiesen war. — Eine durchgängigereAusnahme hiervon machten auch jetzt noch die Landleute, die unbe-rührt von dem Getriebe der Städte ihre der Arbeit angemessene alther-kömmliche einfache Kleidung fast ohne Veränderung fortsetzten. Da
Fig, 81.
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Leinewand und feinere Tuchsorten noch immer sehr hoch im Preisestanden, beschränkten sie sich unausgesetzt auf nur derbe Gewebe von