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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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151
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A. Tracht. Frankr., Engl. , Niederl. Abzeichen d. verech. Stände. 151

gänzlich bartlos, auch das Haupthaar völligst verdeckt. — Verschiedensowohl nach Stellung und Rang als auch nach Art der Bethätigung vonden öffentlichen Spassmachern waren tlieils die schon seit Alters üblichensogenannten Hofnarren, 1 tlieils die Mitglieder von Gesellschaften,die sich inzwischen lediglich zu dem Zweck eigener Belustigung, gewöhn-lich mit Beimischung schalkhaften Spottes über bestehende Zustände, anvielen Orten gebildet hatten. Auch diese und ebenso jene Narren zeich-nete eine besondere Kleidung aus, ! dabei indess die der zuletztgenanntenzumeist durch die Laune ihres Gebieters, die jener Gesellschaften dahin-gegen je nach gemeinsamem Uebereinkommen angeordnet und festgestelltward. So war es, zunächst in Betreff der Hofnarren, zumeist der Fall,dass man gerade sie eben im Gegensatz zu. ihrer Stellung ausnehmendreich ausstattete, doch damit zugleich auch eine nicht immer sehr würdigeNebenbeziehung verband. Gehörte es doch, um nur dies zu erwähnen,im vierzehnten Jahrhundert und auch noch ferner am französischen Hofezur Regel, dass die im Uebrigen stets kostbare Kleidung der dort ange-.stellten Narren aus demselben Stoffe bestehen musste, mit welchem der„geheime Stuhl“ des Königs ausgeschlagen war. Demgegenüber fand inder Ausstattung jener Narrengesellschaften ein ebenso willkürlicherals höchstens nur durch deren etwa entschiedener verfolgte Absichtenfreiwillig bestimmter Wechsel statt. Als man in Valeneiennes das Festder „principaute de Plaisance“ feierte, dazu der Adel und die Vornehmstender Umgegend eingeladen waren, erschienen hierbei der „prince de Plai-sance“ und der „roi des porteurs au sac“ in rothen schwarzbebändertenKleidern. Und zu Lille trug, bei ähnlicher Feier, der „evcque des Inno-cents“ auf dem Kopf statt der Mitra ein Kissen und statt der Schuherothe Sandalen. Diese Art Feste glichen somit, wie es scheint, grossenMaskeraden, welche ganz eigene Art der Belustigung zuerst unterKarl VI. bei Gelegenheit der Hochzeit einer Dame der Königin mit demRitter de Vermandois um 1393 aufkam, aber auch gleich so unglücklichausfiel, da mehrere Masken dabei verbrannten, dass sich der König ver-anlasst fühlte sie sofort gänzlich zu untersagen, wonach sie jedoch in

1 K. F. Flögel. Geschichte der Hofnarren. Liegnitz u. Leipzig 1759.

! Auf einem höchst wahrscheinlich hurgundischen Teppich vom Endo desfünfzehnten Jahrhunderts, welcher die Darstellung eines fürstlichen Festmahlesenthält, erscheint ira Vorgrunde ein (Hof-) Narr, bekleidet mit enganliegendenBeinkleidern, einem engen vorn geknöpften Rock mit langen massig weit gebausch-ten Ermeln; unterhalb, an jeder Ecke des Schosses mit einer Schelle besetztAuf dem Kopf trägt er die mit Eselsohren versehene, nach vorn halsförmigübergebogene, in einen Hahnenkopf endigende Kappe, in der einen Handden. in einem Narrenkopf endigenden Narrenkolben. S. die Abbildung beiW. J. Hofdijk. Schets van de Geschieden« der Nederlanden etc Amsterd1857. S. 57.