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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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150 !• Da 8 Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

„publiques pdcheresses“, strengen Maassnahmen unterworfen. So insbeson-dere in Paris , wo nach wiederholten Erlassen, die ohne Erfolg gebliebenwaren, bereits um 1420 und 1426 das Parlament selbst dafür entschied.Demnach ward ihnen zu tragen verboten: Roben mit breit umgeschlagenenHalskrägen, lange Schleppen, vergoldete Gürtel nebst noch anderweitigem,den ehrbaren Frauen zuständigen Putz, und ihnen befohlen alles Der-artige acht Tage nach der Veröffentlichung jener Erlasse bei den Sergentsoder Dienern im „Chatelet“ niederzulegen. Indessen auch diese Verord-nungen, wie strenge sie auch gehandhabt wurden, wussten sie klüglich zuumgehen, und nun durch scheinbare Ehrbarkeit sowohl im Anzug alsin der Geberde selbst das geübteste Auge zu täuschen, so dass auchdamit im Grunde genommen kaum Weiteres gewonnen ward. — Für dasäussere Erscheinen der Juden, soweit man diese überhaupt noch in derGesellschaft duldete, blieben die früheren Bestimmungen darüber auchnoch fernerhin in Geltung.

Beiläufig sei hier auch noch der besonderen Klasse von Personengedacht, die geradezu einen Beruf daraus machten, sei es durch ange-bornen Witz oder durch angelernte Spässe, die Menge zu belustigen, undsich nicht minder, ähnlich den übrigen Körperschaften u. s. w., einereigenen Bekleidung bedienten. Diese Personen trieben ihr Wesen eines-theils auf eigene Hand, einzeln oder zu mehreren, anderntheils aber ver-dingten sie sich auf längere oder kürzere Zeit, wie denn namentlich fastjedes Gewerk seinen bestimmten Spassmacher besass, dessen Aufgabemit darin bestand bei festlichen Umzügen u. dergl. seine Künste zumBesten zu geben. So unter anderem erschienen zu Tournay bei einemderartigen Umzuge die dabei betheiligten Lustigmacher in einer durchausbuntscheckigen Tracht. Auf einer französischen Spielkarte aus dem Schlüssedes vierzehnten oder dem Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts findet sichein solcher Narr („fou“) in ganzer Figur dargestellt, umgeben von Kin-dern, welche ihn hänseln. 1 Hier zeigt sich derselbe unterhalb, bis zuden Hüften hin, völlig nackt, nur um die Hüften, die Scham verhüllend,mit einer schmalen (Sack-) Binde gegürtet. Den Oberkörper bedeckt eineArt Hemd mit mässig weiten, unterwärts kurz aufgeschlitzten Halbermein;darüber ein fast eben so langer tief ausgezaddelter Schulterkragen, dergleichmässig ringsherumfallend dem Halse ziemlich enge anschliesst. DieKopfbedeckung hat die Form eines runden Spitzhutes mit turbanähnlicherUmwindung, aus der sich zur rechten und zur linken ein eselohrförmigerLappen erhebt; die Spitze mit einer Schelle versehen. Das Gesicht ist

1 Vergl. das in nur wenigen Exemplaren gedruckte Werk: Jeux de cartestarots et de cartes num6rales du quatorzieme au dix-liuitieme siöcle, repr6s. eoCent planches d’apres les originaux avec un precis historique et explicatif, publie®par la Societfi des Bibliophiles frangais. Paris 1844. PI. II.