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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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157
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A. Tracht. Frankr., Engl. , Niederl. Bewaffnung (1300—1350). 157

rüstung nicht als vollständig betrachtete, vornämlich auch desshalb dagerade sie als bestimmendes Abzeichen des Ritterstandes überhaupt galten,wandte man noch geraume Zeit in den beiden seitherigen Formen, in dereines runden oder kantigen Stachels und der eines kurzhalsig gefasstenzumeist sternförmigen Rades an (Fig. 84 b. c), sich jedoch nunmehr derletzteren Form in zunehmend weiterem Umfange bedienend. Sie wurden,nicht minder noch gleichwie vordem, vermittelst nur eines Oberspann-riemens, welcher sich rings um den Fuss erstreckte dem Hacken ziemlichhoch umgeschnallt.

In Betreff der Angriffswaffen und der Ausstattung der Streit-rosse fand noch keine auffällige Wandlung statt, höchstens nur dassman in Ausrüstungsweise der Rosse auch schon von vornherein fortfuhrdiese in ganz ähnlicher Art, wie die Schutzrüstung der Ritter, durchPlatten und Schienen noch mehr zu verstärken (s. unten).

Die demnächste und zugleich förderlichste Veranlassung zu nochmehrer Vervollkommnung gab der englisch -französische Krieg. Durchihn, während seiner langen Dauer von 1339 bis etwa um 1450, wurdenbei den häufigen zumeist ganz ausserordentlichen Verlusten, welche beideParteien erlitten, sie jederseits dazu gedrängt auf geeignete Mittel zusinnen, dem nachhaltig zu begegnen. Die durch ihn stetig erhaltene engeBerührung der Parteien brachte es dazu noch überdies mit sich, dassgerade was in diesem Punkte die eine wirklich neues erfand, der anderensofort zu Gute kam, mithin beide sich hierin hauptsächlich stets unver-züglich ausglichen. Noch ausserdem aber blieb auch jene allgemeineUmwandlung in der Gestaltungsweise der Kleidung seit der Mitte dieses-Zeitraums nicht ohne Einfluss auf die Schutzrüstung, so dass dennvorzugsweise sie, und zwar schon während des kurzen Verlaufs bis zumBeginn des fünfzehnten Jahrhunderts eine fast durchweg veränderte,gleichsam neue Form gewann. Auch trugen nun die zu Anfänge diesesKriegs so überaus günstigen Erfolge der Engländer insbesondere nochdazu bei den in der englischen Ritterschaft bereits begonnenen Pracht-aufwand in Ausstattung ihrer Rüstungen in noch weiterem Maasse zusteigern, es der französischen Ritterschaft, welche darin vor Allenglänzte, auch hierin wenigstens gleich zu thun. 1

Auch die nunmehrige Fortgestaltung vollzog sich zuvörderst imWesentlichen durch fortgesetzte Verstärkung durch Platten und Verengerung

1 Als ein Beispiel dafür, welchen hohen Werth man auf den Besitz einerkostbaren Rüstung legte, mag die Bemerkung J. FroisBard’s (Chronique deFrance, d’Angleterre etc. Paris 1806. Lib. I. chap. 98) genügen, dass ein Edlergegen Kriegsgebraucb, da er sich ergeben will, nur seiner prächtigen Rüstungwegen, von seinem Gegner getödtet ward. K. Sohnaase. Geschichte der bil-denden Künste VI. S. 19.