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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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186
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186 I* Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

(„Freischützen“). Sodann, in Nachahmung dieser Truppen oder jener„compagnies“, gründete Ludwig XI. (1461—1483) die sogenannte „schot-tische Garde“. In England war es erst Heinrich VII. , der, solchemBeispiele nachfolgend, um 1485 eine stehende Leibgarde schuf, bewaffnetzur Hälfte mit Bogen und Pfeil, zur anderen Hälfte mit „arquebusses“.

Demungeachtet verhielt es sich mit der Tracht des französischen Heers ganz ähnlich wie mit der des englischen. Die stehenden Abthei-lungen allerdings pflegte man wohl von vornherein im Ganzen gleich-förmiger auszustatten; doch, folgt man mehrfachen Darstellungen in fran-zösischen Bilderhandschriften aus dem Verlauf des fünfzehnten Jahrhunderts(Fig. 93 a. b. c), war auch selbst deren Ausstattung, ja sogar bis gegenden Schluss des Jahrhunderts, noch keineswegs einer wirklich durchgrei-fenden festen Regel unterworfen. Auch sie erschienen gelegentlich noch,ganz entsprechend den ihnen ähnlich ausgerüsteten englischen Kriegern,ziemlich willkürlich bald mit längeren oder kürzeren Panzerjacken, baldmit weiteren ,jackets“, sogar verschiedentlich in der Farbe und, mannig-fach wechselnd, bald mit Helmen, bald mit Kappen u. dergl. und, dochimmer nur stellenweis, mit metallnen Schutzplatten versehen (Fig. 93 a. b. c).Die anderweitigen Truppen indessen, wie insbesondere die Söldner, bil-deten demgegenüber auch hier stets eine noch um so buntere Masse, alssie gemeinhin für ihre Tracht und Rüstung selber zu sorgen hatten.

Ein derartiges Heer zusammenzuhalten und während des Kampfseinigermassen ordnungsmässig zu bewegen, dienten unausgesetzt haupt-sächlich Fahnen und die schon seit Alters dafür zumeist üblichen Ton-werkzeuge, die mancherlei Arten von Trompeten, Posaunen, Trommelnu. s. w., davon man die ersteren in der Folge zuweilen durch ein derLänge nach daran befestigtes viereektes Stück Zeug mit Buntstickereiund mit Troddelwerk zierte. Die Fahnen bestanden einestheils in denvon den ritterlichen Anführern an ihren Lanzen geführten Fähnchen,anderntheils in besonderen Fahnen von bei weitem grösseren Umfange,welche man den sonst fahnenlosen Abtheilungen überwies. Dazu kam,als dem Heere gemeinsam, die grosse Reichsfahne oder „ bannerdarauf gewöhnlich das Reichswappen, zuweilen auch in Verbindung miteinem dem Reiche altüberkommenen heiligen Sinnbilde bunt eingesticktwar. Die eigentlich volksthümliche Farbe der Franzosen war ursprüng-lich roth und so auch deren Reichsbanner gefärbt. Als indessen beimAusbruche des grossen englisch -französischen Kriegs die Engländer dieseFarbe wählten, um dadurch ihre Oberherrschaft über Frankreich anzu-deuten, nahmen die Könige von Frankreich , in der gegensätzlichen Absicht,das weisse Banner Englands an, das, nachdem es auch Ludwig XI. imAngedenken an seinen Vater gleichsam als geheiligt fortgeführt hatte, sichbis zur französischen Revolution erhielt.