A. Tracht. Frankr., Engl. , Nieder], — Amtsom. d. Geistl. (1300—1500). 191
den Seiten je mit dem Wappen des herrschenden Papstes und darübermit den beiden vornehmsten päpstlichen Abzeichen, den zwei über Kreuzgestellten Schlüsseln nebst der Tiara zu verzieren. Da der Ring gemei-niglich über dem Handschuh getragen ward und somit einen dem ent-sprechenden grösseren Umfang forderte, bediente man sich bei seiner An-wendung auf blosser Hand eines Vorsteckrings, der oft nicht minderGegenstand künstlerischer Durchbildung wurde. Auch kam es gegen denSchluss des Jahrhunderts bei der nun gesteigerten Prachtliebe in nichtseltenen Fällen vor, dass die Bischöfe, je nachdem sie mehreren Diöcesenvorstanden, zum Zeichen dessen eben so viele reichgeschmückte Ringeanlegten.
12. Die bischöfliche Kopfbedeckung nahm unter beständigreicherer Ausstattung, und zwar eben in Folge dessen, noch unausgesetztan Höhe zu, was sich im fünfzehnten Jahrhundert oft selbst bis zumUebermass steigerte. Gleiehmässig damit wurden die Spitzen der beiden„cornua“ erweitert, so dass sie schliesslich auch in Betreff ihrer oberenBreitenausdehnung häufig völlig ausser Verhältniss zu der Grösse desTrägers trat. Zu den schon üblichen Verzierungen, damit man sie zuschmücken pflegte, kamen allmälig eingestickte Heiligenfiguren, und fürdie Stäbe, den „titulus“ und den „circulus Blätter- und Ranken-Zier-rathe hinzu; ausserdem, im fünzehnten Jahrhundert, nächst erhobenenArbeiten in Gold, als Randbesatz der Dreieckfclder kleine nebenein-ander geordnete frei emporstehende Laubomamente, ähnlich den an Bau-werken dieser Zeit als Randbegrenzung beliebten sogenannten „Krabben.“— Neben den wesentlichen Veränderungen denen die Kopfbedeckungdes Papstes im Verlauf dieser Zeit unterlag, davon bereits die Redewar (S. 25), erfuhr auch sie im Ganzen und Einzelnen eine zunehmendreichere, mannigfaltigere Schmuckbehandlung.
13. Der Stab wurde immer seltner aus Elfenbein hergestellt undgeschnitzt, dahingegen in steigendem Grade ein Hauptgegenstand derGoldschmiedekunst. Dabei gewann die für die Krümme und für denunmittelbar daran schliessenden Theil des Schafts schon mehrfach ange-wendete bauliche \ erzierungsform nach und nach völlig die Vorherrschaft,so dass man dem in der Folge zumeist die Gestalt eines förmlichen viel-fach gegliederten Aufbaues gab. So namentlich im fünfzehnten Jahrhun-dert, wo man den S*ab auch ganz von Metall und sowohl ihn, als auchdas Uebrige, mit zum Theil äusserst kostbaren Edelsteinen zu besetzenbeliebte. Um den Beginn des vierzehnten Jahrhunderts ward es üblichan der Krümme oder unterhalb derselben, über dem hier befindlichenKnauf, ein Tüchelchen („velum, sudarium, panisellus“) zu befestigen.Ungeachtet dies lediglich zum Trocknen des Schweisses dienen sollte',pflegte man doch auch dies allmälig entweder durch Besatzstreifen oder