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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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196
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J9ß I. Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirh.

besondere dort die Sittenverderbniss beständig wuchs. Nichts half es, dass inEngland gleich schon Eduard III. (1327—1377) ein Aufwandgesetzdagegen erliess, so dass dies bald darauf Heinrich IV. (1399—1411) er-neuerte, und dass in Frankreich unter anderem die Sinodal-Statutenvon Poitiers, um 1377, und sodann das Concil von Paris , um 1428, mitStrenge dagegen eiferten, auch hier und dort scharfe Sittenprediger ihrenSpott darüber ausgossen — man kümmerte sich eben nur wenig darumund fuhr im eigenwilligen Behagen nur noch um so entschiedener fort,es den Laien gleich zu thun. Begnügte man sich etwa noch mit dervorgeschriebenen Tracht, liess man es sich mindestens nicht nehmen dentalar mit einer möglichst langen Schleppe zu versehen und den Gürteldurch mancherlei kostbaren Zierrath zu bereichern, auch gelegentlich denHut mit farbigen Zuthaten auszustatten. „Vor allem untersagen wir“ —so lautet jene Verordnung vom Jahre 1428 — „den Gebrauch von Tu-niken von rother oder grüner Färbung, die oben und unten mit Purpurverbrämt sind, und solche, die zu lange Schleppen haben; desgleichendie zu umfangreichen umgeschlagenen Halskrägen und die allzugrossengeschweiften Ermel; und ebenso auch verbieten wir die Ermel, welchesich durch Kürze oder Länge auszeichnen, als auch solche, die hinterwärtsoder vorne höher hinauf denn bis zu den Knien hin aufgeschlitzt sind.“— In England zählte es bereits -während des vierzehnten Jahrhundertskeineswegs mehr zu den Seltenheiten, dass Geistliche selbst in rothenHosen und einem reichgemusterten hellblauem Rocke nebst Chorrock dar-über und mit zierlich durchbrochenen Schuhen erschienen.

Nicht viel anders verhielt es sich mit der Klostergeistlichkeit.Wie eifrig sich auch gleich zunächst der Papst Renedict XII. (1334—1342)mit deren Besserung beschäftigte, indem er ihr die Veräusserung derGüter, insbesondere aber den Aebten die Verschwendung in Mahlzeiten,kostbarer Kleidung und Dienerschaft, und den Mönchen, die ohne Amtwaren, die Pferde u. s. w. verbot, blieb doch auch dies ohne einigen Er-folg, ja nahmen alle derartigen Missbräuche unter dem Einflüsse derWirren, welche das Papstthum und die Kirche fortan immer tiefer zer-rütteten, vielmehr noch in steigendem Grade zu. Die den zahlreich be-stehenden Orden einmal eigenen Ordenstrachten erfuhren zw r ar im Wesent-lichen keine weitere Veränderung 1 (S. 30), auch hörte allmälig die Be-gründung von neuen Orden fast gänzlich auf, doch hinderte dies hier nunebensowenig, wie bei der höheren Geistlichkeit, der Neigung zu weltlichem

1 P. H. Heliot. Histoire des ordres monastiques etc. Paris 1714. 8 Bde.

(2. Edit. avec 812 fig. Paris 1792. Deutsche Ausgabe. Leipzig 1753). C. F.Schwan. Abbildungen der vorzüglichsten geistlichen Orden in ihren gewöhn-lichen Ordenskleidungen. Mannheim 1791. M. Tiron. Histoire et costume desordres religieux. 2 Bde. Bruxelles 1843. Und viel. and.