Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
240
JPEG-Download
 

240 I- Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

burgundischen Einfluss durchaus (Fig. 110), theils im Anschluss andas schon Uebliche in mancherlei Umgestaltung desselben ihren je eigen-willigen Launen. Das Endergebniss war hier wie dort ein stetes Neben-einanderhäufen von Formen in immer rascherem Wechsel bis zur Ent-artung im Einzelnen. — In einem Punkt nur verhielten sich die Weiber,gegenüber den Männern, durchgängig bei weitem einfacher. Es war diesin der Anwendung der „Theilung“ oder „mi-parti davon sie fastgänzlich abstanden oder sie doch, wie etwa einige Mitglieder der vor-nehmsten Adelsgeschlechter, nur auf sehr geringe Andeutungen der ihnenje geeigneten Wappenfarben einschränkten. Sonst aber fuhr man in allemUebrigen auf dem betretenen Wege fort sich insbesondere was Scham-losigkeit, auffälligen Prunk und Verschwendung betraf, auch untereinanderzu überbieten.

Das obere Kleid wfard noch zunehmend verlängert, die Schleppeimmer beträchtlicher. So vorwiegend bei den adeligen Frauen, welchenman überhaupt Vieles nachsah, und denen unter anderem Emst und Georgvon Sachsen um 1482 Schleppen von zwei Ellen Länge sogar geradezugestattete. Doch überschritt man auch solches Maass selbst bis zu vierEllen und mehr, so dass die Fülle erforderte beim Gehen entweder auf-genommen oder nachgetragen zu werden (vergl. Fig. 110 bis Fig. 113).

Fig. 111.

Bei mässiger Länge genügte es, das Kleid an der Seite aufzuheben(Fig. 111 a). In allen Fällen wurde nun aber das untere, kürzere Kleidsichtbar, daher man nunmehr auch dazu schritt dieses namentlich unter-