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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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239
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A. Tracht. Deutschi. u. Scandinav . Kleid, d. Weiber (1450—1500). 239

bedeckung in Geltung blieb (Fig. 105 c; Fig. 107 a), im Einzelnen nochzu Termehren, stattete man sie mit den mannigfachsten Zierrathen u. s. w.aus. Ausserdem dass man, wie schon erwähnt, gelegentlich selbst dieHüte und Mützen in Stoff und Färbung mehrfach theilte (Fig. 104 c. f),versah man sie, ganz abgesehen von noch sonstigem derartigen Wechsel,mit mancherlei farbigen .Bindeschnüren, goldenen oder gestickten Besätzen,drillirtem Puschel- und Quastenwerk (Fig. 102) und, so namentlich gegenden Schluss des Jahrhunderts, ganz wie in Frankreich , mit mehreren zueinem Busch zierliclist geordneten bunten Federn (Fig. 103 a - Fig. 107 b;Fig. 109). Stutzer pflegten sich noch ferner mit den von ihnen so sehrbeliebten goldenen oder gestickten Kopfreifen, mit Kränzen u. dergl. zuschmücken und in vielen Fällen auch daran farbige Federn zu befestigen(Fig. 103 a—c; Fig. 109).

Hinsichtlich der Haartracht ward es allmälig in immer weiteremUmfange üblich das Haupthaar möglichst langwallend zu tragen oderes doch nur massig zu stutzen. Das erstere vorwiegend bei der Jugendund dem eitelen Stutzerthum, das schliesslich auch darin, wie in Allem,jedes gebürliche Maass überschritt (Fig. 102; Fig. 103 a — c) und, fallsdies das eigene Haar nicht zuliess, zu falschem Haar seine Zufluchtnahm; es auch wie seither in jeder Weise durchWickeln, Brennen und Einölen zierlichst zu ge-stalten suchte. Andere trugen es minder lang,doch auch nicht ohne derartige Pflege, währendsich der ehrbare Mann damit begnügte es zwarfrei, aber von bescheidener Länge und gewöhn-lich vorn, über der Stirn, gerade abgeschnitten zuzeigen. Der Bart wurde nach wie vor mit nurgeringen Ausnahmen geschoren (S. 224).

Zu dem Allen kam seit dem Vorherrschen desburgundisch-französischen Einflusses, nun ge-radezu als Anstandsforderung, die Anwendung vonHandschuhen hinzu, daran sich dann alsbaldebenfalls ein eigener Aufwand entfaltete, indemman sie nicht blos einfach von Leder oder vonSeide herstellte, vielmehr nun häufiger durch Sti- .ckerei, Besatz u.s. w. bereicherte. — Der Gebrauchvon Gürteltäschchen und Gürtelmessern, soweit der letztere keine gesetzliche Beschränkungerfuhr, dauerte ununterbrochen fort (Fig. 103 a. b -Fig. 106 a; Fig. 107 a).

Die weibliche Bekleidung ging den ähnlichen Gang. Gleich denMännern folgten die Weiber innerhalb der vornehmen Stände theils dem

Fig. HO.