258 !• Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
gekleidet.“ — „Darnach lag er auf der Bahre auf goldenen Tüchern, zuseinem Haupte lagen drei Kronen (die von Mailand, die von Böhmen und die des heiligen römischen Reichs) und der Apfel mit dem Kreuzund ein blosses Schwert dabei; zur Rechten lag ihm das Scepter desReichs. An den Händen hatte er weisse Handschuh, die Hand vollerRingelein, auch trug er einen goldenen Purpurmantel und Hosen und dieKrone der Majestät (die Kaiserkrone) auf seinem Haupt, und hielten zwölfRitter einen goldenen Himmel (Baldachin) auf ihm und über der Bahre.Darnach fuhren die Kaiserin, die Königin und die Markgräfin mit zwanzigWägen zu schwarz gekleidet, dann die Bürger mit sechsundzwanzig Wä-gen und führte man ihnen je vor ein Banner“ u. s. f. — Die ganze Feier-lichkeit dauerte nicht weniger denn siebenundzwanzig Tage.
Ob und inwieweit sich für die noch sonstigen Machthaber undLehensträger, die Könige, Herzoge u. s. w., zur Bezeichnung auchihrer Würde etwa ein ebenfalls bestimmter Ceremonial-Ornat heraus-bildete, muss als fraglich dahin gestellt bleiben. Vermuthlich verhielt essich damit nicht anders, wie in Frankreich und England (S. 139 ff.), ob-schon wohl einige gleichzeitige bildnerische Denkmale im Grunde dafürzu sprechen scheinen, dass mindestens für die Könige und für die höchst-gestellten Reichsfürsten ein solcher Ornat, wenn auch nicht durchgängig,doch immerhin in demähnlicher Bedeutung Gestalt gewann und in An-wendung kam. Mit zu derartigen Denkmalen aus frühster Zeit zähltvorzugsweise das Grabbild des Erzbischofs Peter von Aspelt , gestorbenum 1320, an einem Pfeiler im Dom zu Mainz , das diesen mit den vonihm gekrönten drei deutschen Königen Heinrich VII. , Ludwig demBaiem und Johann von Böhmen in vollständigem Schmuck darstellt(Fig. 115). Hier erscheinen die Könige in durchaus gleichmässiger Tracht,die freilich auch wiederum mit der zur Zeit bei den vornehmsten Ständenüberhaupt gemeinhin üblichen Bekleidung im Wesentlichen übereinstimmt.Doch zeigt sie auch abgesehen von den Kronen, den Sceptern und denReichsäpfeln, einige Besonderheiten, wie die je mit Wappen verziertenPelzkrägen, die sie bestimmter kennzeichnen. Sie selbst besteht, nächstSchuhen und Strümpfen, aus einem mässig weiten Rock mit langen eng-anliegenden Ermeln und einem weiten Schultermantel, der nur an derrechten Seite offen und hier oberhalb der Schultern bis zum Hals hingeschlossen ist; darüber der mit einer Kapuze versehene breite Pelz- ,kragen. Dieser, und wohl ebenso die Ausfütterung der Kapuze, dürftedurchaus von Hermelin, die Färbung der Gewänder aber, insbesonderedie des Mantels, karmoisinroth .zu denken sein. Da die Kur- oder Wahl-fürsten königlichen Rang bekleideten, eigneten sie sich auch diese Trachtals Ceremonial-Bekleidung an, nur dass sie mit Beseitigung von Scepter,Reichsapfel und Krone, die letztere durch eine andere Kopfbedeckung