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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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257
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A. Tracht. Deutschi. u. Scandinav . Herrscherornat (1300—1500). 257

Nachdem die Salbung vollzogen war, wurde der Kaiser von den Kur-fürsten oder deren Stellvertreter in das Wahlconclave geführt. Der Kur-fürst von Mainz blieb beim Altar zurück. Hiebei trugen die Reichserz-ämter die Insignien vor dem Kaiser her. In der Kapelle angelangt,überreichten die Abgeordneten von Nürnberg die Strümpfe und dieSchuhe. Der kur-brandenburgische Gesandte legte ihm das lange Un-terkleid, das Oberkleid und die Stola an, letztere so um den Halsordnend, dass deren beide Hälften vorn, über der Brust, einander kreuzten,worauf ihm die Nürnbergischen Gesandten die Strümpfe und Schuhe an-zogen. So bekleidet schritt der Kaiser, begleitet von dem Wahlgefolge,wiederum in die Kirche zurück, sich abermals vor den Altar begebend.

Inzwischen der hier abgehaltenen Feier, und zwar zunächst -nachmehrfachem Gebet, nahmen die Kurfürsten von Trier und Köln vom Altardas „Schwert Karls des Grossen,“ entblössten es von seiner Scheideund übergaben es dem Kaiser. Sodann, als der Consecrator die daraufbezüglichen Worte gesprochen, behändigte der Kaiser das Schwert demkur-sächsischen Gesandten, welcher es in die Scheide steckte und nunim Verein mit dem kur - böhmischen Gesandten den Kaiser damit um-gürtete.

Danach nahm der Ceremoniarius von dem Altar einen kostbarenRing, übergab diesen dem Consecrator, der ihn, gleichfalls unter einerdarauf bezüglichen Ansprache, dem Kaiser an den Finger steckte.

Von derartigen Ansprachen begleitet empfing der Kaiser hierauf, zu-vörderst durch Vermittelung von zwei Assistenten und des Ceremoniarius ,abermals durch den Consecrator, das Scepter und den Reichsapfel.Und nachdem er bald danach das Scepter dem kur-brandenburgischen,den Reichsapfel dem kur-pfälzischen Gesandten feierlichst eingehändigthatte, ward ihm von dem kur-brandenburgischen Gesandten und den Ab-geordneten von Nürnberg der kostbare Mantel umgehängt, sodann vondem Kurfürsten von Trier , unter Beistand des Consecrators, die königlicheKrone aufgesetzt, schliesslich ihm auf das Evangelienbuch der kaiser-liche Eid abgenommen. —

So auch war mit den Bestattungen der kaiserlichen Machthabermancherlei kleidlicher Prunk verbunden. Nur beispielsweise sei der präch-tigen Leichenfeier Karls IV. zu Prag um 1378 gedacht, wie solche einAugenzeuge beschreibt 1 : „Am zwölften Tag, am Samstag vor Lucie, trugman ihn auf einer grossen Bahre, die hatte nach der Länge vierzehnEllen, nach der Breite vier Ellen und nach der Höhe fünf Ellen, und dieBannerherren trugen ihn,“ — „und alle die ihn trugen waren schwarz

1 W. Lochner, Zeugnisse über das deutsche Mittelalter. I. S 140

Eostumkunde. 111*

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