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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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260 I- Das Kostüm yom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

Heinrich VII. um 1353 mit grösstem Fleiss anfertigen liess, 1 darin über-haupt zum erstenmal die Kurfürsten in ihrem Amte und ihrem so demköniglichen Ornate genau entsprechenden amtlichen Schmuck verbildlichterscheinen. — In Weiterem machte dieser Ornat, hauptsächlich was dieForm betrifft, der je herrschenden Mode folgend, mannigfache Wand-lungen durch. Für das vierzehnte Jahrhundert fehlt es dafür an Zeug-nissen. Im fünfzehnten Jahrhundert indess, und zwar während der erstenHälfte, wurde der kurfürstliche Mantel, gegensätzlich zu dem der Könige,nur bis zum Knie herab reichend beliebt, sodann aber wiederum be-trächtlich verlängert und schliesslich, gegen den Schluss des Jahrhunderts,zu einem vorn seiner ganzen Länge nach offenen schaübenförmigen Rock,zunächst ohne Ermcl, alsbald jedoch mit langen und faltenreichen Er-meln nebst Hermelinbesatz umgewandelt. Den breiten Hermelinkragenbehielt man unverändert bei, auch die darüber fallende Kaputze; dahin-gegen wählte man — der Zeitpunkt ist nicht zu bestimmen — für dienur einfache Rundkappe ein ziemlich breites, hohes Barett mit breiterUmrandung von Hermelin und, wenn auch nur gelegentlich, statt dessonst durchgängig rothen Stoffs, rothen doch reich gemusterten Brokat.

Der übrige hochgestellte Adel, gleichviel ob herrschend odernicht, entbehrte vermuthlich jeder derartigen den Rang bestimmenderInsignien, es sei denn dass er die dafür bereits im dreizehnten Jahr-hundert üblichen verschiedenen Formen von Kopfbedeckungen entwederdauernd beibehielt oder sie theils, ähnlich wie in Frankreich (S. 139),durch je nach der Würde eigens gestaltete goldene Zinkenkronen ersetzte,theils diese jenen altherkömmlichen Kopfbedeckungen hinzufügte. Dieletzteren bestanden für den Herzog in einem Spitzhute mit nach rück-wärts gebogener Spitze, umzogen von einem vierzinkigen Reifen, und fürden Markgrafen und den Grafen entweder in einer Rundkappe oderin einer stumpfspitzigen Mütze mit massig breitem Pelzrande, darübervon der Stimmitte aus eine breite goldene Borte oder ein goldener Bügellief. Noch sonst aber blieben es vorzugsweise die den Adelsgeschlechternje eigenen Wappenbilder oder Wappenfarben, dadurch sie sich, indem siesolche auf die Kleidung übertrugen, nach Aussen hin kennzeichnen konn-ten, davon sie denn auch noch, wie seither, mehrfach nicht nur für sichselbst, sondern zugleich auch für die zu ihnen gehörigen DienstmannenGebrauch machten. — Ganz das Aehnliche gilt von den Weibern die-ser hochgestellten Stände. Mit ihren Männern theilten sie sowohl diediesen zustehenden kronenartigen Abzeichen, als auch die gleiche An-

1 Diese kostbare Handschrift mit 73 Bildern befindet sich in Coblenz . Einefacsimilirte Nachbildung derselben, einst zur Veröffentlichung bestimmt, diejedoch aus äusseren Gründen unterblieb, besitzt das königl. Kupferstichkabinetzu Berlin .