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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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268 I- Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

äusserst knapp anliegenden zumeist ermellosen Kücken, welche, höchstensbis zur Mitte der Oberschenkel herabreichend, gemeiniglich rücklings ge-schnürt wurden (Fig. 87). Im Uebrigen jedoch, so namentlich was dieAusstattung betrifft, verhielt es sich hier auch mit diesem Gewände ganzwie mit der Ausrüstung überhaupt. Zuvörderst noch wenig darauf be-dacht, dasselbe, wie jene das ihrige, zugleich zu einem Schmuckkleid zugestalten, behandelte man es zunächst noch durchgängiger fast lediglich alsSchutzhülle, indem man sich damit begnügte es gänzlich, ohne einigenAufwand, aus irgend einem sehr derben Stoff, gewöhnlich von hartgesot-tenem Leder, eben nur zweckgemäss herzustellen und es, nicht selten insehr plumper Weise, durch Aufnieten von kleinen Rundblechen und einergrösseren oder kleineren eisernen Brustplatte zu verstärken (Fig. 117 a).So die Ausstattung noch weit überwiegend bis spät nach der Mitte desJahrhunderts und, bei den minder begüterten Rittern, theilweis selbst nochbis gegen den Schluss. Auch waren es noch während dieser Zeit stetsnur die Reichsten und Vornehmsten, die davon eine Ausnahme machtenund nun allerdings mitunter auch wohl die englischen und französischen Ritter im Aufwand zu überbieten suchten (Fig. 117 b). Daneben be-wahrten die deutschen Ritter fast insgesammt noch bis zum Beginndes fünfzehnten Jahrhunderts, mithin bis zum Anfänge der dann immerweiter greifenden allgemeineren Ausgleichung manchen altherkömmlichenGebrauch, wie denn insbesondere auch den, Schwert und Dolch vermit-telst Ketten an der Brust zu befestigen (Fig. 117 a. b).

Mit der zunehmenden Ausgleichung und dem allmäligen Verschwin-den unterscheidender Merkmale in der Ausrüstungsweise als solcher,machten sich derartige Eigenheiten dann nur noch theils an der in derFolge damit verbundenen Bekleidung, anderntheils aber insofern geltend,als vorwiegend die deutschen Ritter nicht unterliessen die so beliebteAnwendung von Schellen und Glöckchen auch auf die Rüstung zuübertragen; an der Bekleidung, die man nun in Gestalt von Röckenbald über, bald unter der Rüstung trug, namentlich durch die gemeinhinüblichen Formen der langen gezaddeiten Hängeermel, was Alles hier,wie auch die Uebertragung der langschnabeligen Schuhspitzen, eben nurso lange währte, wie bei der alltäglichen Modetracht (Fig. 118 a —c; vrgl.S. 234 ff). — Erwähnt sei nur noch, dass dem Kaiser Maximilian I. ganz besonders nachgerühmt wird, dass er sich um die Vervollkomm-nung vorzüglich der Plattenharnische vielfach sogar selbsthätig bemühte.Er selber besass einen eigenen überaus geschickten „Plattner,“ LorenzPlattner von Augsburg (etwa seit 1470), legte auch zu Inspruck schonfrüh eine grosse Plattnerei an, und soll die Kunst erfunden haben aufeinmal dreissig Vordertheile und Kückentheile auszuformen.