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Von einem eigentlichen, feststehenden Herrscherornat kann nichtwohl die Rede sein. Den Papst zeichnete auch in seiner Eigenschaftals weltlichen Machthaber die ihm eigene liturgische Tracht aus, dazu imVerlauf des vierzehnten Jahrhunderts seine Tiara, als Zeichen der Su-prematie, noch einen dritten Kronenreifen erhielt 1 (S. 22 ff.; S. 25). —In den übrigen Ländern hatten sich bereits gegen Ende des dreizehntenJahrhunderts eine Anzahl von Fürsten der Oberherrschaft bemächtigt,die zwar je einen glänzenden Hofstaat unterhielten, aber doch vorläufignoch jedes etwa besondere, bestimmte Abzeichen ihrer Würde ent-behrten. Seit dem allmäligen Erloschen des deutschen Einflusses umden Beginn des vierzehnten Jahrhunderts nahm unter mannigfach heftigenKämpfen eine derartige Erhebung noch in Weiterem zu. So namentlichin Oberitalien , wo nun, neben den schon bestehenden älteren Familien,in Mailand die Visconti, in Florenz die Medici, in Padua die Carrann. s. w. zur obersten Leitung der öffentlichen Angelegenheiten und mit-hin zu vollständiger Obergewalt gelangten. Nur Lucca, Genua undVenedig blieben Freistaaten, je unter der Oberleitung eines erwähltenHerzogs oder „Dogen 1 -'. Diese Würde allerdings ermangelte einer äus-seren Auszeichnung nicht, obsclion auch sie, an sich nur auf Ueberhefc-rung beruhend, mindestens im Einzelnen wechselte. Am wenigsten nochwar dies, wie es scheint, in Venedig der Fall. Gerade hier, wo dieMacht des Dogen gleich seit Anfang des Jahrhunderts durch den grossenRath der Zehn und die Staatsinquisition zu einem blossen Scheinbildeherabgedrückt wurde, hielt man an den einmal damit verbundenen reinüusserlichen Zeichen wohl um so fester. Im Grunde genommen bestan-den sie in der altherkömmlichen herzoglichen Tracht überhaupt, zugleichmit besonderem Beibehalt der Kopfbedeckung, nur in Stoff und Aus-stattung allmälig bereichert. Es zählten dazu um den Anfang des Jahr-hunderts und fernerhin ohne wesentliche Veränderung ein weites, bis zuden Füssen reichendes Untergewand von karmoisinrother Farbe, vorn derganzen Länge nach geöffnet und in frei belassenen Zwischenräumen,abtheilungsweise, je zum Verschliessen mit Knöpfchen versehen; einebenso langer, weiter Rückenmantel („toflhc"), vorn weit geöffnet, ohneErmel, von rothem Sammet oder Goldbrokat mit einem ringsum ge-schlossenen Schulterkragen von Hermelin, bis über die Hüften herab-reiehend; dazu eine runde, nach vorn hornförmig umgebogene. Mütze^,corno ) \on karminfarbenem Sammet mit Goldreifen, dieser leieli mitSternen besetzt, oder ekarlatfarben, mit Hermelin umrandet, und mit
1 R*° Päpstliche Tiara in ih rer e e<-enwiirtigen Form (aus purpurnen, blauen
T i . f tre ‘ fen nebst dreifachem Reif darum bestehend) soll erst seit Paul II.
(t H71) stehend gebräuchlich geworden sein.