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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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328 !• Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrb.

Silber reich verziert. In späterer Zeit umgab man sie, an Stelle deseinfachen Goldreifens, mit einer Krone von zwölf oberhalb mit Perlengeschmückten Zinken und stattete ihre nach vorn geneigte Spitze eben-falls mit einer kostbaren Perle aus; schliesslich reich gestickte Hand-schuhe, eine dem Ganzen entsprechend geschmückte Fussbekleidung vonrother oder violetter Grundfarbe und, doch nur zum gelegentlichen Ge-brauch unter der Mütze, eine enganliegende Kappe von weissem Stoffmit ringsumlaufenden Wangenlaschen. — Erschien der Doge in kriege-rischem Schmuck, so trug er zuweilen auch selbst da jene gebogeneMütze entweder in Wirklichkeit oder doch (in getreuer Nachbildung) alsHelmzier; ausserdem aber auf seinem knappanliegenden WalFcnrock ein-gestickt das Wappen des Staats, dem er Vorstand, mithin in Venedig den geflügelten Löwen. —

Die übrigen Fürsten sahen sich lediglich darauf verwiesen, sich inder von ihnen eingenommenen Machtstellung durch eigene Kraft zu be-haupten. Ohne ein angestammtes Hecht auf eine derartige allein gebie-tende Stellung, blieben sie den steten Angriffen theils der Bürgerschaft,theils der Eifersucht der anderen vornehmsten Geschlechter ausgesetzt.Fortdauernde innere Unruhen waren die Folge. Wesentlich um dem zubegegnen, fühlten sich allmälig mehrere der machthabenden Fürsten ver-anlasst sich von den deutschen Kaisern bestätigen und mit dem Besitzbelehnen zu lassen. Es waren dies unter anderem Gonzaga in Mantua und Montferrat um 1354, Galeazzo Visconti in Mailand um 1395,Amadeus VIII. von Savoyen um 1416, Este in Modena um 1452u. A. m. Von da an erst, in Verbindung damit, erhielten nun auch siebesondere Abzeichen ihrer Würde, die indessen auch wiederum wesent-lich nur, und ebenfalls nicht ohne einigen zeitweisen Wechsel im Ein-zelnen, der älteren herzoglichen Ausstattung entsprachen.

Wie eine solche Belehnung vor sich ging und worin diese Abzeichenbestanden, bezeugt einerseits die Schilderung G. Azzanelli’s von der Ein-setzung des Galeazzo Visconti , der diese vom Könige Wenzeslausum hunderttausend Goldgulden erkaufte, anderseits eine zweifache bild-liche Darstellung eben dieser Belehnung in einem kostbaren, mit Minia-turen geschmückten Messbuche im Archiv von St. Ambroisc zu Mai-land : 1 „Der neue Herzog“ — so erzählt jener in Uebcreinstimmungmit den Bildern -r- „verlässt sein Schloss, begleitet von mehreren Herrenseiner Familie, einer Menge von höchstgestelltcn Personen verschiedenerVölker und den Gesandten der vornehmsten Städte Italiens . Sie ■werdengeführt von einer grossen Anzahl von Musikern, welche die anmuthig-

1 Abgebildet u. s. w. bei C. Bonnard. Costuroes historiques des XIII,XIV u. XV siede. II. No. 99 u. No. 100.