376 !• Däa Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirli.
Stadt den höchsten Grad des Wohlstandes, der jedoch lediglich ihre Be'völkerung betraf. Nicht viel anders verhielt es sich, der Gesammtbe-völkerung gegenüber, mit Moskau und mit Astrachan . In Astrachannamentlich war es selbst vorwiegend nur das Hoflager des Chans, dasdie reichsten Kaufleute nach hier zusammenzog und welches bei weite»das Meiste der von ihnen dargebotenen Schätze zur Vermehrung seineseigenen üppigen Prunks beanspruchte. In Moskau bildete zwar der Hofdes Grossfürsten einen demähnlichen Mittelpunkt äusseren Glanzes, dochohne den allgemeinen Verkehr im Weiteren zu beeinträchtigen. Auchnoch während der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts bezog dieStadt aus dem Hafen von Derbent die kostbarsten indischen, persischenund arabischen Waaren, die sie dann theils zu Lande, theils zu Wassernach Nowgorod und nach Wisby versandte.
Indessen bereits seit der Mitte des Jahrhunderts sollte Russland auchdieser, seiner fast noch einzigen Quelle des Erwerbes allmälig beraubtwerden. Den ersten hauptsächlichsten Anstoss dazu gab die engere Ver-bindung der Genweser und Venetianer mit dem Orient, die nun denHandel von dort direkt mit Brügge vermittelten. Selbst das reiche Now-gorod wurde merklich davon betroffen, obschon es noch längere Zeithindurch immerhin ein gesuchter Vereinigungsplatz persischer, tatarischerund armenischer Kaufleute blieb. Bedrückungen seitens der Hansa ver-mehrten das Uebel. Dies nahm mit dem Verfalle Wisby’s (seit 1361)in erhöhtem Grade zu, während dann schliesslich die Eroberung Astrachansund die Verwüstungen, die Timur (um 1395) am kaspischen Meere an-richtete, da sie eine Verlegung der Verkehrsstrassen zur Folge hatten,den östlichen Handel fast ganz aufhoben. Mit der Eroberung Konstanti-nopels endlich durch die Osmanen (um 1453) und der Entdeckung desSeeweges nach Ostindien durch die Portugiesen (um 1498), hörten dieWaarenzüge durch Russland vollends auf, so dass es sich nunmehr imGrunde genommen fast lediglich noch auf seine eigene Verkommenheitund Dürftigkeit verwiesen sah. *
Inzwischen waren unter den Mongolen selbst vielfach Unruhen aus-gebrochen, die ihre Macht allmälig zersplitterten. Dies mit thatkräftige rUmsicht benutzend, gelang es endlich dem Grossfürsten Ivan I. (ffl-)Wassiliewitsch deren Gewaltherrschaft zu brechen und sie, in stets sieg-reichem Vordringen, etwa während der Jahre von 1462 bis 1480 fastgänzlich zu unterwerfen, worauf alsbald, um 1483, ihre völlige Vertreibungerfolgte. Ivan, nunmehr Beherrscher des Reichs, liess es sich vor allemangelegen sein, das Volk wiederum zu erkräftigen, und die in ihm er-stickten Keime der Kultur aufs neue zu beleben. Die Entdeckung derreichen Bergwerke in der Statthalterschaft Archangel um 1491 kam ihmzu Hülfe. Auch schloss er, um den Handel wieder zu heben, um 1495