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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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403
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15. Geriith. Abendland im Allgem. Handwerker u. Gewerke (1300—1400). 403

Stellung von neuen Formen, als auch in einer stets gediegeneren Be-schaffung und künstlerisch mannigfaltigeren Anwendung oder Verwerthungder bereits vorhandenen. Das Ornament vorzugsweise gewann in diesemSinne ungemein an Fülle und Bedeutung. Zwar hielt man an den dafüreinmal hergebrachten Grundformen auch noch ferner fest, indessen begannman nun diese nicht nur freier zu behandeln, als vielmehr noch durchzunehmend künstlichere Zusammensetzungen ihrer Theile zu äusserstemWechsel zu vervielfältigen. Dies betraf denn ebensowohl die Nach-ahmung pflanzlicher Gebilde, unter welchen sich dafür insbesondere diev °n Blätter- und liankenwerk als vorzüglich geeignet darbot, als auch dieVerwendung von geometrischen Figuren, die man zu den verschieden-sten Verschlingungen verband oder auch wohl ganz in Weise eines reichdurchflochtenen Netzwerks beschaffte. Dazu kamen die anderweitigenmehr willkürlichen Gebilde, wie solche sich aus der spielenden Phantasieder Künstler, jedoch eben nun auch oft wunderlich genug ergaben, undüberdies ein gesteigerter Reichthum von bildnerisch sehr verschiedendurehgeführten menschlichen und thierischen Gestalten, vereinzelt oder inGruppen geordnet, hinzu. Selbst auch das mehrfach gegliederte schlankaufstrebende Stab- und Pfeilerwerk wurde davon berührt, indem man esuun einesthcils noch schlanker und sich zuspitzender, anderntheils zuu°ch reicheren Gliederungen fortbildete. Bei dem Allen blieb dann freilich'ücht aus, dass man nunmehr auch schon allmälig und zwar gerade mitln Folge der Vollendung, die man erreichte, zu einem Streben nach reinüusserlicher Wirkung, wie auch in der Behandlung zu einer gewissen Ein-förmigkeit oder Manier neigte; immerhin aber war und blieb, was mannach dieser Dichtung hin im Ganzen wie im Einzelnen ermöglichte, vorallem Anderen erstaunenswerth und vielseitigst allgemein mustergültig.

Was so innerhalb des baulichen Betriebs, allerdings vorläufig nochlast ausschliesslich in Aufführung kirchlicher Gebäude, in umfassenderWeise gefördert wurde, kam nun eben aber auch wiederum den übrigenGewerken mittelbar, als auch in mancher Hinsicht selbst unmittelbar zuGute. Ueberdies gewannen die Handwerker im Allgemeinenauch alsbald eine Stellung, die ihren Bethätigungen nach allen Rieh-tungen ungemein förderlich werden musste. Nachdem solche einmal seitücm Beginn des dreizehnten Jahrhunderts aus dem Alleinbesitz der Geist-lichkeit auf das Laienthum übergegangen waren und somit jede etwaigeC°ueurrenz von jener Seite aufgehört hatte, war ihnen bereits dadurch^ ei Hoden zu ihrer höheren Verselbständigung gewonnen worden. DieGenossenschaften, Innungen und Zünfte, die sich in Folge dessen fastüberall gleichmässig herausbildeten, und zumeist unter schweren Kämpfenvolle Geltung zu erringen und das Errungene zu behaupten suchten,Zo gen sich fortan, in zunehmender Kraft, zu immer festerem Bestände