440 L D ftS Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
nahm dazu den wirklichen prächtig befiederten Balg derselben, spannteihn über silberne Reifen, füllte ihn vollständig mit gekochten Speisen undsetzte ihn so, mit weit ausgespanntem Schweif auf goldener Platte ruhend,auf die Tafel. Später, etwa seit dem Schluss des Jahrhunderts, ahmteman auch wohl das Ganze in Silber oder Gold und farbiger Emailhrungnach. —
Gegenüber einem so weitgreifenden geräthschaftlichen Reichthum, zuwelchem sich selbstverständlich immer nur die Vornehmsten und Reichstenzu versteigen vermochten, und den auch sie, mit seltnen Ausnahmen,keineswegs alltäglich, vielmehr nur bei festlichen Vorkommnissen zurSchau zu stellen pflegten, war doch im Ganzen genommen das Geschirrüberhaupt ziemlich einfach. Dasselbe bestand, soweit es das Tafel'geräth betrifft, und für den gewöhnlichen Bedarf auch selbst bei denBegütertsten, noch fortdauernd vorzüglich von Zinn, was freilich eineebenfalls mehr oder minder kunstvolle Gestaltung nicht ausschloss;bei den minder Bemittelten aber durchgängig aus verhältnissmässig nurwenigen Stücken von diesem Metall und daneben theils von gebrannterErde (S. 414), theils, wie etwa noch gegenwärtig bei den ärmeren Land-leuten, von Holz. Das Koch- und Kiichengcräth, das mit der Ver-mehrung und zunehmenden Verschiedenartigkeit der Speisen doch ebennur hinsichtlich seiner Formen an Mannigfaltigkeit gewinnen konnte,wurde gleichfalls unausgesetzt wie seither, ausser von gebranntem Thon,Holz u. dergl., hauptsächlich von geschlagenem Kupfer, verzinnt, und vongeschlagenem Eisenblech hergestellt (S. 413). Darunter spielten auchfernerhin, als wesentliche Zubereitungsmittel von Fleisch und Geflügel)der Bratspiess und die Roste eine Hauptrolle. Gefüsse von Glas, auchvon einfachster Form und Behandlung, gehörten einstweilen noch zu denSeltenheiten, deren selbst die Reichsten gemeiniglich in nur geringerAnzahl besassen (S. 408). —
Die „Möbel“ oder die Zimmergeräthe im engeren Sinne,deren freilich auch selbst in Invcntarien und sonst fast durchweg nurandeutungsweise Erwähnung geschieht, nahmen, so weit zugleich Abbil-dungen erkennen lassen, ganz in ähnlichem Verhältniss wie die Geschirrean Zahl, Mannigfaltigkeit und künstlicher Behandlung zu. Es hing vor-nämlich dies mit der nunmehrigen Erweiterung der nichtkirchlichen undhäuslichen Baulichkeiten zusammen, die bei den Burgen oder Schlösserndes reichen Adels bereits gegen den Schluss des dreizehnten Jahrhundertsbeginnend, sich allmälig auch auf die städtischen Wohnungen der be-gütertsten Bürger ausdehnte. Auch darin ging wie es scheint, etwa nächstItalien und Spanien , Frankreich voran, während man in England, Deutsch land und den übrigen Ländern wohl gerade in dem Punkte noch ge-raumere Zeit hindurch die einmal altherkömmliche Beschränkung und