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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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452 I. Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jabrh.

und Vornehmen entfaltete, so einfach verbliebes im Ganzen doch einst-weilen bei dem ehrsamen Bürgerstande. Mit Ausnahme von nurEinzelnen, die auf Grund ihrc3 beträchtlichen Besitzthums es jenen ähn-lich zu thuen suchten, begnügte man sich in diesem Kreise noch zumeistmit verhältnissmässig nur wenigen Möbeln, auch ohne sie eben überihren Nützlichkeitszweck hinaus durch Schmuck allzusehr zu vertheuern-Innerhalb dieses Standes, vorzugsweise in Deutschland , galt eine gewissenüchterne Sparsamkeit als eine Tugend, die derselbe indessen auch nochum so leichter auszuüben vermochte, als an ihn gesellschaftlich kaumschon einige besondere Ansprüche gestellt wurden. Auch die Reicherendarunter legten vorerst bei weitem weniger Werth auf eine kostbareZimmereinrichtung, als etwa auf den Besitz von silbernen Geschirren, d' eja von ihrem wirklichen Gehalte nichts verloren, um sie gelegentlich, beifestlichen Vorkommnissen, zur Schau zu stellen. Indessen, wie cs dieZeitrichtung und Fortschritte im handwerklichen Betriebe nunmehr einmalmitbrachten, entbehrten doch auch die einfacheren Geräthe an sich keines'wegs jegliches Schmucks, sondern erhielten, wenn gleichwohl nurkunstloserer Form, immerhin mindestens ein dem herrschenden Geschmack eentsprechendes Gesammtgepräge. Eine derartige bürgerliche Ein-richtung beschränkte sich wohl selbst noch bis ins nächstfolgende Jah r 'hundert hinein grösstentheils auf die altherkömmlichen schweren Bank-kästen, die ihre Stelle längs den Wänden behaupteten, auf einige beweg'bare Truhen, einen oder mehrere Langtischc und die erforderliche Anzahlvon Betten. Besondere Stühle, versetzbare Bänke, Schenk- und Anrichte-tische, Wandschränke, Schreibepulte, Lesepulte und alle noch sonstige' 1mehr dem Prunke oder der blossen Verannchmlichung dienenden Mobil' 011blieben davon im Allgemeinen noch lange Zeit hindurch ausgeschlossen-Bei weitem die Mehrzahl dieser Möbel, hauptsächlich aber die Stühle*Bänke und Schränke, fanden hier noch durchgängiger ihren vollen Ersat 2durch die langen Bankkästen und die Truhen, davon die Truhen ja ,nvielen Fällen auch noch sogar die Stelle eines Tisches vertraten. E clUnbemittelteren machten sie nebst einfachem Nachtlager oft genug ( l flSgesammte Mobiliar aus.

Im fünfzehnten Jahrhundert nun erfuhr, zugleich mit der Verall-gemeinerung des Aufwandes überhaupt, auch das Gerätli im Ganzen u"Einzelnen sowohl hinsichtlich der Verwendung als der Ausstattungswe' seeine bedeutende Steigerung. Da fortan die Tonangeberschaft in All cD1was Lebensweise und äusseren Anstand betraf, von dem durch Krieg 8unglück verarmten Frankreich auf den überaus reichen und prunksüch'tigen Hof von Burgund vollständigst überging, wurde derselbe auch 111diesem Punkte bald allseitig massgebend (S. 86; S. 102 ff.). Frnnkreicselber, auch noch für die nächste Folge (etwa bis 1430) überdies fa s