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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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456
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456 ! Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirh.

wie nunmehr dieSchreiner undTischler das von ihnen gegen Endedes vorigen Zeitraums begonnene, zweckmässigcre Verfahren der Ver-bindung und Gliederung der Einzeltheile mit einander (S. 412) völlige 1 *durchbildeten, schritten dementsprechend auch die Schnitzer in Herstel-lung des bildnerischen Schmucks zu möglichster Mannigfaltigkeit vor.Mit der noch ferneren Erweiterung der wohnhäuslichen Räumlichkeitennahmen die zu deren Ausstattung bestimmten Möbel an Umfang zu. EieSchreiner, um dem genügen zu können, mussten Baukiinstler im Kleinenwerden, und die Bildschnitzer sahen sich zur Lösung von immer künst-licheren und weitergreifenderen Aufgaben gedrängt. Die Sclmitzverzic-rungen an den Möbeln fanden den allgemeinsten Beifall, so dass man inder Folge wohl selbst einzelne Geräthc der Art, namentlich wenn siemit zur Schau dienen sollten, wie die kirchlichen Chorstühle, die Ehren-sessel, diedressoirs u. A., damit dergestalt bereicherte, dass sie z u 'weilen im Ganzen weit eher einem grossen Schnitzkunstwerke als solchem!denn einem eigentlichen Möbel glichen. Noch wirkte auf diesen B e 'trieb überhaupt besonders günstig zurück, dass der Gebrauch von höl-zernen, geschnitzten Wandbekleidungen mehr und mehr um sich grift?und auch, dass es immer üblicher wurde in den Zimmern selber kleineAbschläge oder Nischen durch Umwandung von ebenfalls geschnitztemHolz tafelwerk herzustellen. Mit der steigenden Vorliebe für dieSchnitzerei verlor sich der Geschmack, die Möbel stellenweis zu bemale")fast gänzlich; nur die Vergoldung behielt man bei,.indem man aber auchsie allmälig sehr bedeutend ermässsigte. Die eingelegte Arbeit ( mar 'queterie) wurde, jedoch vorerst noch hauptsächlich nur zur Verzierungvon kleineren Geräthcn, mit zunehmender Geschicklichkeit fortbetriebei" Um dem Holzwerk zugleich Glanz und noch mehr Festigkeit zu gebe")pflegte man es jetzt durchgängiger mit Ocl zu tränken und dann ah-zureiben.

Die Verfertigung des Glases wurde nicht allein in Italic",wie insonderheit auf der Insel Murano , noch sehr erheblich vermannig'facht und vervollkommnet, vielmehr gelangte, wenigstens gegen Endedes Jahrhunderts, auch in den nördlicheren Ländern zu mehrerer Bedeu-tung. Es war dies zunächst in Flandern der Fall, wo sich bis zu dieserZeit bereits einzelne Glashütten gebildet hatten, welche sich eifrig he-thätigten. Zwar vermochten auch sie vorerst noch nur einfarbige, weisseGläser zu,liefern, jedoch bald von solcher vorzüglichen Klarheit, dassman sie gelegentlich selbst zu Prachtgefässen verwendete und sie, zU 'gleich als besondere Schaustücke, mit zierlicher Goldarbeit einfasste undmit Steinen, Perlen u. s. f. besetzte. Vor allem indessen fertigten s* e >was allerdings auch weit wichtiger war, gewöhnlichere Gläser undbrauchsgefässe, und trugen somit wesentlich zu deren Verallgemeinerung