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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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460 I- Das Kostüm vom Beginn des 14 . bis zum Beginn des 16 . Jahrh.

germanischen Grundform, ausgenommen in Italien , wo das bereits vor-wiegende Bestreben die altrömische Formengebung wiederum zu vollererGeltung zu bringen durchaus festen Boden gewann, und demnach gleichseit Beginn dieses Zeitraums eine neue Darstellungsform, die derR e "naissance, begründete. In Spanien währte die Einmischung maurischerOrnamentalformen fort. Bei allendem äusserte sich die Wandlung lU1kunsthandwerklichen Betriebe im Allgemeinen wesentlich nur in der ver-zierenden Ausstattung und einer allmäligen Verminderung wahrhaft kunst-gemässer Durchbildung und Gediegenheit. Es war dies eine natürlicheFolge der zunehmenden Verallgemeinerung des geräthschaftliehen Auf-wandes, da solcher sich eben zu dieser Zeit auch auf die minder begü-terten, mittleren Stände hin ausdehnte. Demgegenüber kam man mitder seitherigen Sorgfalt in Verfertigung des Einzelnen nicht mehr aus*Man entwöhnte sich von ihr, indem man sie jetzt nur noch da anwandte,wo man etwa in besonderem Aufträge, durch die dafür ausgeworfeneSumme, eigens dazu verpflichtet ward. Im Uebrigen aber begnügte mansicli schon immer mehr mit einer Herstellung im Grossen oder Massen-Verfertigung, was denn zugleich noch ausser der sich damit einstellendenVerflachung eine durchgängigere Einförmigkeit der Gegenstände mit sichbrachte. Auch begann sich nun mit in Folge dessen 'unter den Gewerb-treibenden selber eine bestimmtere Sonderung zu eigentlichen Kunsthand-werkern und blossen Handwerkern vorzubereiten.

Gleichsam gegensätzlich dazu, doch in dieser Richtung durchaus be-gründet, gewann die verzierende Ausstattung an Fülle und Mannigfaltig"keit. Ganz ähnlich wie bei den Kunstbauten, wurde sie nun auch adiesem Gebiete ein Hauptziel der Bethätigung. Die allseitig gewonnenevollkommene Handgeschicklichkeit in Verwerthung jeglicher Mittel, kan*Dem ganz besonders zu statten. Fortan beschränkte man sich immerseltener namentlich die Gegenstände, bei denen es auf Prunk abgesehenwar, in Berücksichtigung ihres Wesens eben kunstgemäss nur zu schmücken,sondern bestrebte sich, ohne eine derartige Rücksicht einzuhalten, sie jnlGanzen lediglich zu einem Schmuckstück zu gestalten. In dem f° rtgesetzten Bemühen hauptsächlich in diesem Punkte durch stets neue Etfindungen vor überraschender Wirkung zu glänzen, verlor sich schliessl*der feinere Sinn für künstlerischen Zusammenklang. Die IIinneig u ^zur Ueberladung nahm in steigendem Grade zu. Sie artete zur WilB^aus; man suchte nun wiederum ein Gegengewicht in einer Art von ^ ereinfachung, was aber, da man des gesetzmässig einander vermittelnde 11Halts entbehrte, zu starrer, nüchterner Leere umschlug. Und sonachwegte man sich gegen Ende des Jahrhunderts denn theils in launeBhafter Vermischung von starren oder doch nur mässig ornamentallebten Flächen mit einer zumeist übertriebenen Fülle von bunt zusammen