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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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476
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476 L Ba6 Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrli.

fassung oder auch wohl nach dem MaassinhalteSchäm (Schcur, Schewm,Schauer oder Schouwer), Humpen, Kelch, Becher (Becher), Krug, Kanne,Chopf (Schoppen, Kopf) u. s. w., andererseits nach Form und ShuMuskat, Eichel, Kokosnuss, Traube, Strauss, Pelikan, Schwan, Schiffu. dergl., und überdies aucli nach SondergestaltungenMünch, Könne ,Narr, Reiter, Greifenklaue, Horn u. a. m. Bei dem allen liess ffl anin Durchbildung des Einzelnen, sowie in der Ausstattung überhaupt, derPhantasie den freiesten Lauf. Jede nur erdenkliche auch noch so eigenthümliche Zusammenstellung, gleichviel ob sie dem Zwecke eig net( j>suchte man diesem dienstbar zu machen und ihr, soweit es dabei zUgl elCauf wirklichen Prunk abgesehen war, durch thunlichst künstliche Mitve*werthung jeglicher Verzierungsmittel das Gepräge einer absonderl> ckünstlerischen Vollendung zu geben. Aus diesem Bemühen gingen j etztselbst auch Becher oder Humpen hervor, die sich vermittelst eines eig e ° enMechanismus scheinbar von selbst bewegten, und sogenannte Credcnzoder Doppel-Becher, welche beide, zumeist von gleicher Form- und Durchbildung, mitunter sogar durch ein henkelartiges Charnier verbunden,dergestalt aufeinander passten, dass einer den Deckel des anderen bildete-Auch hatte solches Bemühen noch besonders zur Folge dass man nunnebeii den für Trinkgeschirre bereits mehrfach benutzten verschiede^liehen Stoffen und Gegenständen, als seltenen Hölzern (Maser), Gl» 5-Krystall, Elfenbein, Horn (jetzt namentlich auch Schildpad und Khinozero°horn), Strausseneiern, Kokosnüssen, Kürbissen u. dergl., nächst Musen(Nautilus) und Perlmutter, gleich wie bei den Salzfässern, die mancherhalbedlen Steinarten (Chalcedon , Achat, Serpentin, Alabaster u. s - ^zunehmend häufiger in Mitanwendung brachte, was denn allerdings aeinen noch weiteren Wechsel im Ganzen und Einzelnen sehr begünstio ^Denn Hauptsache blieben auch hierbei vor allem die EinfassungeuGold- und Silberschmiedearbeit, wie deren möglichst sinnvolle Anordn ^und verschiedenst schmuckreiche Behandlung. Und dazu kamen, w ^zuvörderst auch nur in Oberitalien in weiterem Umfange, die nun nJminder zahlreich wechselgestaltigcn und zum Theil so überaus zierdurchgebildeten farbigen Gläser (millefiori u. a.), und auch dieseweilen noch überdies in reicher metallener Fassung hinzu. Zwei hiezu zählende Gläser, etwa aus dem Ende dieses Zeitraums, besitztMuseum in Berlin : beide von nur geringer Grösse, das eine vonblauer, das andere v(m tief grüner Farbe; auf beiden eine Malereigebrannt. Das blaue enthält mythologische Darstellungen, das anfein künstlerisch durchgeführte Ornamente, Sphinxe und Genien.

1 H. v. Hefner-Alteneck. Geräthscliaften des Mittelalters u. s. wTaf. 35; vergl. daselbst auch I. Taf. 18; II. Taf. 7 (Trinkhorn).