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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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B- Geräth. Abendland im AUgem. Hausger. (Trinkgefiisse 14001500). 475

spuieh genommen, dabei man denn diese Theile entweder je für sichaj, St f nt ^£ decorativ, oder in irgend welcher Verbindung miteinanders cm zusammengehöriges Ganzes, behandelte. Unter Beibchalt dereigentlichen Kannenform, fertigte man diese bald rund, bald mehrflächig,e 1 anker und bauchiger; bildete sie glatt oder zu mannigfaltigsten Pro-nrungen aus, bedeckte sie ganz oder theilweis (in letzterem Falle wohlzinneist nach Maassgabe der einzelnen Gliederungen) mit getriebenener sonstigen Ornamenten, dazu man vorwiegend Maass-, Stab- undaubwerk, doch auch mancherlei Figürliches wählte, und gab den Deckeln,enkeln und Ausgüssen, mitunter also je in inhaltlicher Uebereinstim-® un g damit, die wechselvollsten phantastischen, als auch der Thier-,

- enschen- und Pflanzenwelt, zuweilen auch selbst der Baukunst ent-mten Zierformen. Deckel und Ausguss erhielten nach wie vor ge-e gentlich die Gestalt von Köpfen; der letztere häufiger die eines Thier-°Pfs mit weitgeöffnetem Rachen. Und bildete den Ausguss eine vonunten aufsteigende Röhre, pflegte man ihn wohl schlangenähnlich darzu-ste hen und auch wohl mit dem Gefässe an sich durch Zwischenzierwerkverbinden. Für den Henkel beliebte man nicht selten die Figur eines

I ngausgestreckten Thiers, wie auch die einer mehrfach gewundenen,achenartig beflügelten Schlange u. dergl. m. Nächstdem aber gab man

[j® 11 bannen auch eben durchaus, unter entsprechender Mitgestaltung aller( cr Theile, die verschiedentlichsten Formen sowohl von Baulichkeiten,^ie runden und vierseitigen, zinnenbekrönten Thürmen, und von Pflanzen,| e gekappten, von Laub umgebenen Baumstämmen, als auch von voll-ständigen Thieren und Menschen (hauptsächlich langbekleideten Weibern),^°n reitenden Damen u. a. m., sie auch hierbei dann noch besondersrc h vielerlei schmückende Zuthaten in erhobener und eingeschmolzenerloeit (tcir&ia), in Gravirung, Emaillirung u. s. w. ausstattend. Ancn Trinkgefässen jedoch vermochte man ja auch noch einen um so»rösseren Formenreichthum zu entfalten, als gerade diese schon vonVornherein die verschiedentlichsten Grundgestaltungen darboten. Wohleme derselben blieb von dem jetzt allgemein vorwiegenden Bestreben,cts Keues zu liefern, unberührt. Und überblickt man die dahin bezüg-ic en überaus zahlreichen Beschreibungen der Inventarien, sie mit den,Wnn auch in verhältnissmässig nur geringer Anzahl vorhandenen Ge-J- irren der Art vergleichend, wird man zu der Annahme gedrängt, dass.an es hierbei geflissentlich vermied sich irgendwie zu wiederholen. Ess' 1 1 ^' eS ^ r a ^ e Länder gleichmässig, obschon es fast scheint als habe

II das trinklustige Deutschland nunmehr vor allem darin ausgezeichnet,-yi der Vcrmannigfachung der Formen wuchsen die Benennungen; keinseh 1 a ^ 6r ^ esass deren alsbald so viele, als das deutsche. Dies unter-

*cd bereits gegen Ende des Jahrhunderts einerseits nach der Gesammt-