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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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479
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B. Geräth. Abendland im Allgem. Hausgei'. (Möbel 14001500). 479

gänzlich kunstlosen Geschirren von Kupfer, Zinn», Eisenblech, gebrannterr ae und Holz genügen lassen. Kupfer und vor allem Zinn spieltenNoch immer, auch in den begüterteren Kreisen, die Hauptrolle; jenes,Nächst dem Eisen, beim Küchen- und Kochgeräth, dieses vorzüglich beimafelgeschirr und den mancherlei Giess- und Trinkgefässen. Ueberhaupter währte in der Verwendung von allen solchen Geschirren das seit-ri ge \ erhalten auch im grossen Ganzen noch ziemlich unverändertort (S. 440), sich nun höchstens noch darin erweiternd, dass der reichereNrgerstand allmälig noch vielfältiger, als schon vordem, kostbare Ge-rathe von Metall beanspruchte, und auch wohl im Allgemeinen nebenen metallenen und hölzernen Geräth schäften bereits Geschirre von demUeu erfundenen festeren Steingut, wie insbesondere Kannen und Krüge,^ Uru Theil bildnerisch verziert und farbig glasirt (S. 457), als auch Ge-asse v °n einfach weissem oder grünem Glase mit und ohne verzierendeNsstattung zunehmend gebräuchlicher wurden.

In Betreff derMöbel oder Zimmergeräthe fuhr man fortl 0r allem die Thron- und Ehrensessel, die Stühle, Bänke,ranke, Truhen und Lesepulte, den ihnen entsprechenden kirch-

c en Geräthen ebenmässig zu behandeln (S. 463). So in stetigem An-Sc hluss - - - -

an deren Wandlungen, erhielten jene Geräthe nunmehr nicht

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selten selbst eine Durchbildung, die ihren rein weltlichen Bezug kaumNoch merklich erkennen liess. In dem Bestreben nach möglichster FülleUn <l vielseitigstem Wechsel in der Ycrzierungsweise machte man auchhierfür, wie für das weltliche Geräth überhaupt, von jeder Verzierungs-for m, gleichviel ob auch kirchlich-religiösen Inhalts, beliebig Gebrauch,m dem man sie mit den sonstigen Ornamenten, gelegentlich sogar ziemlic 1Willkürlich verband. Weder Engel und Heilige, noch christliche Symbo-le Gegenstände blieben jetzt davon ausgeschlossen, höchstens dass manSlc h dabei vorerst noch der Darstellungen aus dem Leben der Junghaul 'Nd der Leidensgeschichte Christi enthielt.

Nächstdem aber versäumte man doch auch in Herstellung allei 1( j seiGer athe nicht, den fortgesetzt steigenden Anforderungen des häuslichen' lnd gesellschaftlichen Verkehrs in thunlichster Weise gerecht zu werden.; Ian beschränkte sich bei ihnen keineswegs auf eine blosse Nachahmungkirchlicher Vorbilder, sondern bemühte sich auch sie im Einzelnen, unter-Sc Niedlick davon, noch zweckmässiger und selbst noch reicher, als schonzu gestalten. Die bestehenden Formen von Ehrensesse n,anken und Stühlen bildete man theils im Ornament noch prunk-l° ller und überschwänglicher aus, theils fügte man ihnen völlig neuef ° rmen hinzu, und schmückte sie sämmtlich überdies durch noch imi-augrcichcre und wo möglich noch kostbarere Ueberdecken und Behänge,lr ' dem man sich jetzt deren Anordnung auch zu pomphaftester Wirkung