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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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Geschichtliche Uebersicht.

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den Enternehmungssinn auf die zu ihnen führenden Bahnen. Die vor-dem ausschliesslichen Handelsmächte mussten sich dem Zwange der Um-stände fügen. Auch ihr umfassendster Verband, dieHansa, konntesich dem nicht entziehen; auch er schwankte seiner Auflösung zu (1548).

Der Handel wurde zum Welthandel, zum erfolgreichsten Vermittlereiner immer engeren Berührung auch der von einander entferntestenVölker. Der sich steigernde Reichthum des Kaufmanns kam dem All-gemeinen zu Gute. Die Genüsse und Ansprüche vervielfältigten undverfeinerten sich; das Aussenlehen gewann an Reiz, Kunst und'Gewerbe,dadurch ermuntert, an fernerer Triebkraft und Ausdehnung. Der Zunft-«nd Innungszwang milderte sich, Verbesserungen und Erfindungen nahmenm rascherer Folge zu; das Einzelne verschmolz in der Vielheit zu nach-haltiger Förderung des Ganzen. Für die Kunstform ward das Gepräge,welches sie in Italien gewann, der sogenannteRenaissancestyl ,na ch allen Seiten hin massgebend. Seine alimälige Verbreitung über diea-usseritalisclie Welt eröffnete dem Kunstsinn daselbst ein neues Feld derDemütigung. Mit der Erfindung des Schiesspulvers war den Mach-ten das Mittel geworden, ihrer Macht wirksamst Nachdruck zu geben.Gleichwie die Befreiung aus den alten schon morschen Banden die geistigeKr aft überhaupt hob und erweiterte, schärfte sich auch der Blick derGrossen zur Erreichung ihrer Zwecke. Leidenschaft und Herrscher-Begierde gewannen um so weitereu Raum, sich zu äussern und geltendzu machen. Die Städte hatten ihr Uebergewicht nicht länger zui be-wahren vermocht. In Frankreich gebot seit Ludwig XI. (1401-14^)nur noch ein Wille, der seines Beherrschers; England, nachdem ueiHeinrich 11. (U99) die Vorherrschaft der Fürsten gebrochen, blieb gleich-es der unumschränkten Macht seines Herrschers untertlian; Spanien War (1492) Ferdinand dem Katholischen erlegen; Italien , sei em-Ableben des grossen Lorenzo von Medicis (1492) in Parteiungen zerrüttet,musste sich (1505) fast willenlos Spaniens Scepter fügen; in Deutscn-la »d währte der Kampf der Fürsten um Landeshoheit siegreich fort,fa »d aber auch an dem Kaiser endlich (seit 1493) eine ihn enger üegien-zetide Kraft; Dänemark und Schweden , im Gegenkamp e, us_ en(B« 1520) den letzten Rest ihrer Selbständigkeit ein; und Kusstana,v °m despotischen Drucke der Mongolen zwar befreit, blieb nacii wie iorder Willkürherrschaft eines Machthabers ausgesetzt. Ueberall gelang esden Grossen sich über die Völker zu erheben, sie zu einzelnen grosserenStaatsgemeinden zu verbinden, und ihre Macht zu befestigen. DerStaats-sweck wurde ein völlig anderer, das Staatsinteresse nur noch hauptsacli-Bch an die Person des Herrschers geknüpft. Kur sie, nach individuellemErmessen, nicht mehr die Volksstimme als solche,, entschied fortan überKrieg uud Frieden, über das Schicksal von Europa . So wurde dies