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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.

und England, ein davon verschiedenes, besonderliches Gepräge hatte,erhielt sich dies noch geraume Zeit, sich dem geistig ausgleichendenZuge nur sehr langsam und vereinzelt auch äusserlich merkbar unterwerfend. Die Niederländer, im Selbstbewusstsein ihrer errungenenFreiheiten und der Kraft sogar ihr Land dem Meere abgetrotzt zu haben,waren in ihren erworbenen Reichthümern unter der überaus glanz' ollenburgundisch-französischen Oberherrschaft, gleichwie zu üppigstem Lebensgenuss, so auch zu einer dementsprechenden frei heiteren Lebensformhingewöhnt. Mit Zähigkeit hielten sie daran fest. Auch nachdem & aT >von Spanien aus, sie durch die gewaltsame Unterdrückung der zu ihnenverbreiteten Wiedertäufer (bis 1534) ernstlich daran erinnert hatte, da=»sie sich nicht selber angehören, und überdies zugleich ahnen Hess, 1welcher Art die Fessel sei, welche sie mit Spanien verkettet, verharrtensie nichtsdestoweniger dabei. Höchstens dass sich in sie nun schonGrund der jetzt engeren Beziehung zu Spanien , vorerst jedoch auch nu^sehr allmälig, spanische Weise einmischte. In England ent 'y o jj.nur noch allein der Wille seines Alleinherrschers. Ihm war dasbis zu knechtischer Unterwürfigkeit erlegen. Schon seither daran g eivin Allem, was Lebensform betraf, dem französischen Vorgänge zu 10ward es dazu durch Heinrich VIII. in noch Weiterem veranlasst.

(bis 1514) fortgesetzter Krieg mit Frankreich , seine nachherigen Wecbündnisse mit Karl V. gegen Frankreich und mit Frankreich g e ° eSpanien , tragen noch besonders bei solches Verhalten zu befestig®Seine Lossagung vom Papste und vom Zwange der alten Kirche ^aber darauf zunächst noch um so weniger Einfluss ausüben, alsauch dieses lediglich von seinem persönlichen Willen ausging und udies in den äusseren Formen der Kirche nur wenig änderte. ^

In Frankreich selber, soweit auch hier die neue Lehre m ^nähme kam, vermochte sie ebenfalls vorerst kaum nach Amsen^^merklich zu wirken. Aehnlich wie in England, galt auch hier dem ^der Wille und die Weise seines Herrschers gewissermassen als e -^.Dazu kam dass Franz I. in seinem ritterlichen Auftreten, se ' ne ^j neDJliebenswürdigen Gebühren, seiner Kunst- und Prachtliebe, und s ^. nneTalente Alles dies aufs Glänzendste zur Geltung zu bringen, < ^ em /seines Volks schmeichelte, ja es ganz für sich einnahin. Seine stetsBerührung mit Spanien , seine Gefangenschaft daselbst, blieben nie ^nachhaltigen Einfluss. Es wirkte dies, gleichwie auf ihn selber, soauf das Ganze zurück. Zudem, was dies noch begünstigte, n

blieb er, wie sein Gegner, der alten Kirche streng unterthan. p r0 _

er auch aus rein staatlicher Rücksicht nicht anstand, sich mit e ni jttestanten in Deutschland in nähere Verbindung zu setzen, und sc^den Türken zu vereinigen, blieb er doch weit entfernt da\on